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23. Februar 2012 4 23 /02 /Februar /2012 22:35

23.02.2012

 

 


 

 

 

Und mein Bericht geht weiter (:

 

Immernoch bin ich total verwundert, wie ruhig es um mein Auge ist.

Probleme mit Licht habe ich nun gar nicht mehr.

 

Tropfen tu ich natürlich immernoch fein. Aber es ist einfach nur so unglaublich erstaunlich.

 

Als man mir den Befund mitteilte, erzählte man mir zugleich von einer Patientin, die ein Jahr lang unter ständig wiederkehrenden Schmerzen litt, bis man eine Not-OP machen musste.

 

Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, mein Leben sei nun vorerst vorbei.

Ich war kurz davor, aufzugeben. Wollte niemanden mehr sehen, außer meiner Familie und meiner besten Freundin und beschloss, mich einzubunkern.

Bis mich dann mein all zu gut bekannter Trotz ergriff und ich mir dachte:

Ne! Ich geb doch nicht auf wegen sonem Mist.

Sehn tu ich auf dem anderem Auge trotzdem nich, is doof aber nicht zu ändern.
Studium schaffe ich, und wenn halt von Heim aus.

 

Natürlich hatte ich das unglaubliche Glück, gute Freunde und Kommilitonen an meiner Seite zu haben.
Von meiner Familie will ich gar nicht erst anfangen, sie alle haben so viel für mich getan, dass ich gar nicht weiß, wie ich ihnen jemals danken kann...

 

Doch auch gute Freunde an der Seite zu haben, die dich Heim besuchen kommen und absolutes Verständnis haben, dass du einfach keine Kraft hast, rauszugehen, zu feiern. Oder auch nur Spazierengehen für dich eine Qual ist.

Weil du mit der Angst lebst, es könnte jeden Moment wieder losgehen.

Fast alle haben in jedem Moment genau richtig reagiert.

Geschwiegen, wenn es von Nöten war.

Geredet, wenn es mir gut tat.

Mit versucht zu motivieren, wenn sie merkten, dass ich just in dem Moment nicht so am Ende bin, dass ich es falsch auffasse.

Mir in den Arsch getreten, wenn es wirklich an der Zeit war.

Mit die Hand gehalten, wenn ich nicht mehr konnte.

Mit mir geweint und mit mir gelacht.

 

Ich kann mich glücklich schätzen, solch Menschen an meiner Seite zu haben.

Dies ist ein Glück, welches ich erst jetzt richtig begreife und ich wünsche jedem von euch, der auch betroffen ist, er möge das Gleiche erfahren.

 

Doch auch wenn man vor den Kopf geschlagen wird, bösartige Kommentare hört oder auf einmal für Menschen "nicht mehr existiert", so sollte dies niemals Grund sein, sich deswegen auch nur annähernd fertig zu machen. Denn dies ist nur ein Teil!

Komischerweise ist mir dies bei allen (bis auf bei einem Menschen) erstaunlich gut gelungen.

Das Problem ist, dass diese Krankheit so selten ist, dass keiner je etwas davon gehört hat.

Das Problem ist, dass viele ja gar nicht wissen, was mit dir los ist, warum du dich nicht meldest und dann setzt der Trotz ein: "Du meldest dich nicht, also melde ich mich auch nicht". Man denkt ja nie daran, es könnte etwas passiert sein.

Das Problem ist auch, dass viele nicht damit umzugehen wissen. Wie aber auch sollten sie es?

Wenn eure Freunde mal etwas sagen, was euch vielleicht in der Situation verwundert, verletzt oder ihr es einfach nicht erwartet habt, so ist dies noch lange kein Weltuntergang.

Meistens meinen sie es ganz anders oder es rührt einfach von Unwissenheit her.

Zu oft erlebe ich immernoch erstaunte Blicke von Menschen, mit denen ich regelmäßig zu tun habe "Wie jetzt? Du siehst nix? Ich denke es ist alles gut???".

Denn sie begreifen auch nach 5 Mal sagen nicht, dass "gut" in diesem Krankheitsbild heißt, seine Ruhe zu haben, keine Schmerzen zu haben und am Leben teilhaben zu dürfen.

Gut heißt für alle: Alles zu Ende, Krankheit tot.

Is nich so, ja, aber das wissen nur wir.

 

In dem Falle, wo ich merkte, dass sich "Freunde" nicht mehr meldeten, weil ich mich nicht mehr meldete (wie auch, wenn man nur im Krankenhaus liegt, einfach keine Kraft hat und sich einfach nur wünscht, es erkundigen sich die Leute, die wichtig sind/waren nach einem von sich aus - denn man selber fühlt sich unfähig- und man hat Ihnen das gesagt), dann beließ ich es einfach dabei.

Und ihr werdet sehen: Diese Menschen braucht ihr einfach nicht. Auch wenn es euch in manchen Momenten dort schrecklich vorkommt, ihr euch einsam fühlt - denkt an die, die für euch da sind. Alles andere zählt nicht!

Oder oft ergibt es sich später dann einfach wieder.

Nehmt nicht alles so auf die Goldwaage, es wird euch viel viel Kummer ersparen.
So sind halt die Menschen!

 

Nehmt es auch nicht übel, wenn sich eine Freundin immer per Handy bei euch meldet, aber euch nicht besuchen kommt.

Jeder hat seine eigenen Sorgen und Probleme. Jeder muss sein Leben irgendwie regeln. Besuchszeiten im Krankhaus sind zudem meist doof geregelt. Glaubt mir, sie versuchen es oder wöllten es zu gerne, können aber einfach nicht. Egal wie beschissen es euch geht, denkt nie, ihr seid der Mittelpunkt der Welt.

Klar will man das manchmal in so einer Situation sein. Für alle! Man wünscht sich Menschen, die für einen da sind. So aber ist das Leben nicht immer. Und dafür können eure Freunde oft wirklich auch nichts!

Andere wiederum empfinden panische Angst oder fühlen sich einfach total unwohl im Krankenhaus, auch wenn sie selber nicht drin liegen und nur zu Besuch sind. Diese können euch einfach nicht besuchen kommen. Und oftmals trauen sich diese Menschen nicht, es einfach zu sagen.

 

Ich habe in der Zeit gelernt, vieles noch leichter zu nehmen.
Wir alle sind nur Menschen, wir alle machen Fehler. Wir alle sind so mit uns selbst beschäftigt, dass für die anderen oft kaum mehr Zeit bleibt.

Ich habe gelernt, noch ruhiger mit Krisensituationen umzugehen. Sehe mittlerweile dann einfach die guten Seiten und denke mir dann so: Ist doof gelaufen, aber machen wir das Beste draus. Und das in jeder Lebenssituation.

 

Ich gehe mittlerweile durch die Straßen und wenn mir danach ist, singe ich.

Wenn ich im Bus sitze und habe Lust, mitzusummen, dann tu ich das halt.

Wenn ich Lust habe, mich bei Laufen im Kreis zu drehen und gen Himmel zu blicken, so mache ich das jetzt.

Sehe ich eine Pfütze, kommt es mittlerweile oft vor, dass ich mit voller Kraft hineinspringe und mich freue, umso weiter es spritzt.

Gehe ich einkaufen und ich sehe leckere Champignons, dann ruf ich auch mal laut heraus: "Hey! Was für tolle Champignons! Vorzüglich!" - und freue mich dann, dass mein Frühstück für die nächsten drei Tage absolut lecker sein wird.

 

Ich freue mich über die kleinsten Dinge. Und noch mehr freue ich mich, wenn ich jemandem etwas Gutes tun kann.

Das alles gab es schon vorher, aber jetzt fühlt es sich anders an.

Es fühlt sich echter an.

Viel realer.

Ich sehe meine Welt mit anderen Augen, bin fasziniert von jeder Kleinigkeit.

Manchmal auch überfordert, wo ich es vorher nie gewesen wäre.

Raffe mich dann aber so schnell wieder hoch, wie es auch zuvor nie möglich gewesen wäre.

Ich genieße das Leben so sehr.

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Kommentare

Nadja 03/22/2013 19:09


Hallo!


ich lese dein Blog zum ersetn Mal...denn ich suche dringen Info zum Thema Akanthamöben..meine AKollegin ist damit schon seit 2!!! Jahren beschäftigt und kommt nicht weiter..und heute nach der
Kontrolle- die Hornhaut wächst nicht zu, um eine Transplantation zu machen..Auge muss wahrscheinlich weg..


3 Mal hat ihr der Arzt die Hornhait "weggekratzt"!!! In der Hoffnung, dass auch die Amöben verschinden. Ich glaube, sie war oder ist in der falschen Klinik.


Kannst du mir bitte die Adresse deiner Klinik schicken und den Namen des Arztes? Ich glaube, Sie ist am Ende mit Kräften..2 Tumore und jetzt noch das..das kann und darf nicht sein!


ich hoffe, dass du für mich Zeit findest..Danke Dir im Voraus!


LG


Nadja

rueckwaerts 03/22/2013 22:26



Hey (: Ich habe dir eine Mail geschrieben! :) Liebe Grüße.



Was Isn Das Hier?

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Ab sofort könnt ihr euch die meisten Artikel in den Kapiteln

"Akanthamöben..und das Auge macht Krawall!-Verlauf"

und "Akanthamöben..und das Auge macht Krawall!-Gedanken" anhören!

Hierzu müsst ihr nur das zum Artikel gleichnamige Video anklicken,

welches sich je unter oder über dem Text befindet.

Die noch fehlenden Artikel werden auch bald vertont, bitte um etwas Geduld ;) Frisst doch alles recht viel Zeit, weshalb ich nicht immer sofort dazu komme, das Geschriebene auch in auditiver Form bereitzustellen.

 

 


Zudem: Wenn ihr auf einer Seite landet, auf der Musik losspielt und

diese aber nicht euer Fall ist, einfach runterscrollen. Der Player befindet

sich dann in einem meiner Artikel.

Da ich alles recht schlicht halte, ist er auch auf Anhieb zu erkennen ;)

Ein so kleines Kästchen, wo ihr einfach auf Pause klickt.

 

 

Ich wünsche euch viel Spaß.

 

 


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