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7. Juni 2012 4 07 /06 /Juni /2012 21:26

Es ward einmal ein kleines Mädchen, das lebte mit seiner Mutter in einem kleinen Haus, das vor Schönheit jedes andre in diesem Land übertraf.

Die Menschen nannten es da das Haus der Blumen oder Blumenhaus, da sich tausende von wundervoller Blumen um es herum rankten, jede auf seine Weise einzigartig.

Das Mädchen da ward bald älter geworden, jedoch konnte und wollte es die Mutter nicht allein lassen um ihr eigenes Glück zu machen, da diese schwer krank war und nicht allein zu leben wusste. Zudem liebte sie dies Haus so sehr, wenn es auch klein sein mochte und so wenig Platz bot.

So bliebs also daheim und stellte auch sonst gar oft das Wohl anderer über sein eigenes.

 

Eines Tages aber da geschah es, dass der Landesherr daher kam, da er von der Pracht des wundersamen Hauses wohl gehört hatte.

Er besah es sich und wollte es doch sein Eigen nennen.
Sein Schloss von dem er kam, war an Größe unübertrefflich und auch sonst sehr schick anzusehen, war doch aber das kleine Häuschen da in dem Dorfe etwas, was es nirgendwo sonst auf der Welt zu finden gab.

Er fragte also die Mutter, ob er ihr das Haus nicht abkaufen könne. Die Mutter hätte zu gern den üppigen Lohn genommen um sich und ihrer Tocher ein besseres Leben zu bescheren, doch fragte sie das Mädchen zuerst, was ihm denn lieber sei.

Da antwortete sie:

"Lieb' Mutter, die Bezahlung ist gar gut, doch gäbe es nichts, was mein Herz mehr erfüllen könnte, als hier wohnen zu bleiben mit dir und jeden Tag eine neue Blume wachsen zu sehen!".

So sprachs und ging davon.

 

Der Landesherr aber ward erzürnt, dass sie ihm sein Glück verwehren wollte und sprach zur Mutter:

"Ich habe ein Anrecht darauf, mir zu nehmen was ich will. Ich machte euch dies großzügiges Angebot und ihr schlagt es aus. Ich sehe dies als Beleidigung und werde euch ins Verließ sperren müssen!".

Und so geschah es also.

Er befahl, das Mädchen und die Mutter zu greifen und in ein Verließ zu sperren, wo sie nimmer mehr das Tageslicht erblicken würden.

Man tat wie gehießen und der Landesherr bezog sein neues Reich.

 

Als er schon mehrere Tage dort wohnte, begannen die Leute zu tuscheln, denn das Haus sah anders aus als zuvor.

Natürlich, es sah jeden Tag anders aus, da bisher jeden Tag eine neue Blume gewachsen war, doch entdeckte man nun hie und da Verwelkte.

Der Landesherr tat dies ab und machte das Wetter zu schulden.

Doch als dann Tag für Tag immer wieder eine Blume starb, machte er sich wutentbrannt zu seinem Schlosse auf, wo das Mädchen und die Mutter in getrennten Verließen harrten und ihr Leben fristeten.

 

Zuerst ging er zu der Mutter und fragte sie:

"Sag, du alte Frau, warum welkt jeden Tag eine Blume an diesem wundersamen Hause, seit ich dort wohne?".

Doch sie sprach da nur:

"Meine Tochter wird dir darauf Antwort geben können!".

So also ging er zu dem Mädchen und fragte auch sie:

"Sag, du seltsames Mädchen, warum welkt jeden Tag eine Blume an diesem wundersamen Hause, seit ich dort wohne?".

Und das Mädchen sah ihn mit festem Blicke an und fragte: "Wisst ihr das nicht selber, mein Herr?". Doch er schüttelte nur den Kopf.

Sie hielt kurz inne und erklärte ihm dann:

"Die Blumen wachsen aus der Liebe heraus. Habt ihr denn niemand, den ihr achtet, schätzt und liebt?".

Wieder schüttelte er den Kopf. So sprach sie dahin weiter:

"Ich liebe meine Mutter, ich liebte mein Dorf und meine Heimat. Ich liebte die Tiere um mich herum und auch das Haus der Blumen liebte ich von ganzem Herzen.".

Er besah sich das Mädchen, setzte sich hin und sann nach.

Genau eine Stunde tat er das, dann stand er auf und ging - wortlos.

Am nächsten Tage da kam er wieder, brachte ihr gut Essen, doch sie schob es nur von sich weg und bat den Herren, es der kranken Mutter zu bringen.

Er blickte sie erstaunt an, verharrte wieder eine Stunde bei ihr, stand dann wieder wortlos auf und ging hinfort in seine Gemächer.

Am dritten Tage dann kam er, brachte ihr ein Glas Wein, welches sie wieder von sich fortschob und darum bat, es der kranken Mutter zu geben. Genau eine Stunde saß er wieder bei ihr, bis er die Zelle verließ.

Am vierten Tage dann brachte er ihr eine warme Decke und ein Kissen, da sie am Tag zuvor gehustet hatte und drohte, sich stark zu erkälten. Auch an diesem Tage bat sie darum, doch lieber die Mutter damit zu umsorgen.

So ging es dahin noch einige Tage, nie sprachen sie mehr als ein paar Worte.

Der Herr gewann das Mädchen bald arg lieb und auch sie fand Gefallen an ihm, da er wohl doch ein gutes Herz besäße, was es nur herauszuholen galt.

Eines Tages, wie er dann dort saß, und die Tage gar nicht mehr zu zählen wusste, sprach er:

"Heute werde ich zum Blumenhaus zurückkehren. Sei du so gut, begleite mich. Denn ich schätze dich, achte dich und ich liebe dich zugleich."

Sie aber sprach: "Ich werde euch nicht begleiten können, denn ich kann verzeihen aber nicht vergessen. Nie könnte ich euch also so lieben, wie ihr es jetzt tut."

So also ließ er das Mädchen und die Mutter frei und ihres Weges ziehen, er aber lebt seitdem alleine im Hause der Blumen.

 

Und die Leute, sie stehen jeden Morgen früher auf als je zuvor, stürmen zum Hause und bestaunen es mit offenen Mündern.

Denn seither wachsen dort jeden Tag da Blumen zweie an der Zahl, und zudem noch Schönere, als es da jemals zu bestaunen gab.

 

 


 

 

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Da ich alles recht schlicht halte, ist er auch auf Anhieb zu erkennen ;)

Ein so kleines Kästchen, wo ihr einfach auf Pause klickt.

 

 

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