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13. Juni 2012 3 13 /06 /Juni /2012 15:23

Sie ging im Wald umher, um das schönste Bäumchen zu finden, welches es da gab.

Sie hatte schon den ganzen Tag gesucht und war sehr müde, als sie es entdeckte. Es stand dort auf dieser kleinen Lichtung, ganz klein, so zaghaft.

Trug gerade die ersten Blätter und zeigte sie stolz der Sonne.

Sie ging hin und grub es vorsichtig aus, um es heim zu tragen.

Das Bäumchen fand seinen Platz im Garten hinter dem Hause.

Doch sie, sie besaß einen Hund, und als sie sah, dass er sein Geschäft an dem Bäumchen verrichtete, war sie traurig und hatte Angst.

Was, wenn er das jetzt immer tat? Das Bäumchen würde vielleicht krank werden.

Da zog ein Lüftchen auf und das Bäumchen wehte sachte hin und her.

Da bekam sie wieder Angst.

Was, wenn ein Sturm aufzöge und das Bäumchen mitsamt seinen kleinen Wurzeln aus der Erde riss?

Da kam ein Vogel, setzte sich auf das Bäumchen und begann, an den kleinen Ästen herumzupicken um Futter zu finden.

Und wieder bekam sie Angst. Was, wenn die Vögel dem Bäumchen schaden und die noch so zarte Rinde aufpicken würden?

 

So also ging sie los und schleppte einen Stein nach dem anderen heran.

Sie brachte sehr viele Steine, ehe sie begann, diese um das Bäumchen herum aufzutürmen und eine Mauer drumherum  zu bauen.

Dann besorgte sie eine riesiges Glasdach und befestigte es so, dass es nicht hinunterfallen könne.

Zufrieden ging sie zu der Tür, welche sie auch eingebaut hatte um das Bäumchen gießen zu können, herein und sagte zu ihm:

"Nun hast du dein eigen Haus und keiner wird dich mehr stören, dir wehtun und kein Sturm kann dich hinfortreißen.

Jeden Tag ging sie zum Bäumchen, goss es, setzte sich zu ihm hin un erzählte ihm allerlei Dinge.

 

Das Bäumchen jedoch wuchs, und irgendwann war es kein Bäumchen mehr sondern ein Baum.

Sie war ganz froh, dass das Bäumchen so schnell gewachsen war und ordnete diesen Erfolg ihrer Fürsorge zu.

Doch mit dem Baum wuchs natürlich auch seine Krone, welche schnell an das Glasdach stoß und seine Wurzeln, die immer weiter den Boden durchdrangen.

Sie also nahm bald das Glasdach ab, um dem Baum mehr Platz nach oben zu lassen, verlegte die Mauer und baute sie noch höher, nur um dann wieder das Glasdach oben drauf zu setzen.

Sie dachte nämlich bei sich:

Der Baum hatte die Vögel, den Regen und das Unwetter nie kennengelernt, es würde ihm vielleicht schaden.

Doch der Baum wuchs immer weiter, viel schneller als zuvor.

Seine Wurzeln schlugen sich immer weiter Wege, von denen sie nichts ahnte, sie rankten sich mittlerweile unter dem Hause durch.

Der Baum und seine Wurzeln waren sehr dick und stark, und so konnte es nicht anders geschehen:

Sie wunderte sich eines Nachts, wie sie da im Bett lag, als das Haus zu knacksen begann  und sich leicht, ganz leicht zu bewegen.

Erst dachte sie an ein kleines Erdbeben, als sie jedoch aus dem Haus nach draußen trat, bemerkte sie, dass alles um sie herum ruhig lag und nur ihr Haus solche Geräusche von sich gab und sich bewegte.

Am Morgen holte sie sich einen Fachmann. Der jedoch konnte ihr nicht sagen, was das gewesen sei, tat sie sogar ein wenig als verrückt ab, sagte sie hätte sich das eingebildet oder geträumt.

Doch sie wusste, dass etwas nicht stimmte, wusste nur nicht, was es war.

Also holte sie sich noch einen Fachmann und noch einen. Und noch einen.

Und der wusste ihr zu erklären, was da geschehen war. Denn er hatte sich den Baum besehen und den Bauplan des Grundstückes und des Hauses.

Er sagte zu ihr, dass des Baumes Wurzeln unter dem Hause langtrieben und diese eine solche Kraft besaßen, dass sie bald das ganze Haus zerreißen würden.

Da bekam sie natürlich Angst, und fragte, was sie tun könne.

Er aber sagte nur:

"Fälln, wat andres könnse nich tun Fräulein!".

 

Sie saß lange bei dem Baum, hatte es sich unter seinem Laubdache gemütlich gemacht.

Sie weinte sehr.

Es vergingen da einige Wochen und jede Nacht wurde das Zittern des Hauses erschreckender, agressiver, irgendwann nahm es so bedrohliche Ausmaße an, dass sie panisch im Bett lag.

Es schien, als würde bald das Dach über ihrem Kopf einbrechen.

 

So ging sie also am nächsten Tag, holte sich eine Axt.

Und fällte den Baum.

 

 


 

 

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Da ich alles recht schlicht halte, ist er auch auf Anhieb zu erkennen ;)

Ein so kleines Kästchen, wo ihr einfach auf Pause klickt.

 

 

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