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7. Oktober 2012 7 07 /10 /Oktober /2012 15:13

 

 


 

 

 

 

Mit der LVB ist es so eine Sache.

 

Die letzten Jahre bin ich fast nie Bahn gefahren, da die Bahnen uns Busse im Winter zu voll sind und im Sommer die Menschen darin stinken.

Abgesehen davon finde ich es eklig, wenn Menschen mich berühren, und da man die Hälfte des Jahres mindestens relativ freizügig herumrennt, ist es in Bahn und Bus kaum möglich, dem Ekel auszuweichen.

 

Zum Glück hatte ich immer ein Fahrrad, entweder ein eigenes, welches ich großzügiger weise geschenkt bekam und nie lange lebte, oder übergansweise ein „geliehenes“.

Da ich jedoch sehr ungeduldig bin, habe ich höchstens den Schlauch gewechselt, wenn das jedoch nicht zur Reparatur reichte, fand das nächste Fahrrad den Weg zu mir.

Am Ende hatte ich fünf Räder im Keller stehen, wobei ich schon einige aussortiert hatte, und als ich auszog, beschloss ich, auch diese freizugeben, da ich sie alle hätte zur Reparatur bringen müssen und Geld habe ich ja nie.

Ich konnte zu dem Zeitpunkt nicht ahnen, dass ich ein Gewissen entwickeln würde, nämlich als man mir mein meist geliebtes Fahrrad stahl.

Ich schloss es im Winter an einen Baum, da der Schnee über Nacht solche Ausmaße angenommen hatte, dass selbst schieben eine Qual und kaum möglich war.

Da ich nur noch eine Bahn Gelegenheit hatte, pünktlich zu kommen und mit Rad statt 10 Minuten mindestens dreißig gebraucht hätte, um zur Haltestelle zu gelangen, suchte ich mir also einen Baum, mit relativ vielen Zentimetern Umfang und ließ es dort.

Zwei, drei Tage später, als man endlich beschlossen hatte, Leipzig wieder ein wenig befahr- und begehbar zu machen und die Schneeschieber doch mal ausgesandt hatte, stiefelte ich los, um meinen Karl abzuholen und wieder in den Keller zu verfrachten.

Ich lief also die Straße entlang, an der ich ihn zurückgelassen hatte, und besah mir jeden Baum, da ich mir nicht mehr sicher war, ob es der sechste oder siebte war, dem ich habe Karls Gesellschaft zuteil werden lassen.

Neben der Tankstelle jedoch war es, dessen war ich mir todsicher.

Doch weit und breit wurde ich nicht fündig, ich lief die ganze Straße entlang,

Ich sann kurz nach, wie viel ich wohl gestern getrunken haben mochte, stellte fest dass das nicht relevant war, und lief die Straße noch einmal entlang.

Am Anfang der Straße angekommen konnte ich mir ein Stirnrunzeln nichtmehr unterdrücken und startete meinen dritten Versuch.

Diesmal lief ich ausgesprochen langsam, sah mich genau um. An der Tankstelle jedoch fand ich wieder nichts, außer – nachdem ich genau hinsah - einen abgehackten Baumstumpf!!

Ich sah noch einmal genauer hin und dachte mir, es könne doch nicht sein, Karl war alt und schon zerschunden, kein besonderes Rad, Lenkung war schief, kein Licht, Bremsen hatte er auch keine mehr, Sattel war schon kurz vorm Auseinanderfallen, Klingel schon ewig verschollen und und und…

Ich schloss die Augen, um klar denken zu können, die Promille verdrehten mir wohl noch ein wenig den Kopf.

Nach einer Minute etwa öffnete ich sie wieder und – mir erschloss sich immer noch das gleiche grausame Bild.

Ein zerstörter Baum, vielmehr ein Stumpf, ohne Karl.

Man hatte also einen Baum umgehackt um an eine alte Möhre zu gelangen.

Wie besoffen muss man dazu denn bitte sein??

Ich wusste nicht, ob ich lachen oder heulen sollte, und da es mich so hin- und herriss, beschloss ich, beides gleichzeitig zu tun und begab mich auf den Weg nach Hause.

An diesem Tage entwickelte sich mein Gewissen, was Fahrraddiebstahl anbelangte.

Ich selber hatte zwar eh noch nie ein Rad geklaut, es nur mitgenommen wenn es  nicht angeschlossen war (das ist für mich kein Diebstahl), jedoch hatte ich liebe nette Freunde, denen gegenüber man nur erwähnen musste, dass man grad kein Rad hatte, und schon klingelte am nächsten, spätestens am übernächsten Tag das Handy.

Doch als mir Karl, mein heiß geliebtes Fahrrad, mein letztes funktionierendes Fahrrad vom Baum gepflückt worden war, war es damit auch vorbei.

 

Ich besitze auch heute noch kein Rad, denn eine ganze Zeit lang konnte ich gar nicht fahren und jetzt habe ich – kein Geld.

So bin ich gezwungen, die Öffentlichen zu nutzen und leide jedes Mal aus Neue.

Ich habe aber auch das Glück, dass sich mindestens jedes zweite Mal jemand neben oder hinter mich setzt, der entweder eine Bierfahne hat (und das schon vormittags oder mittags), nach Schweiß stinkt oder nach Katzenpipi.

Oder einer, der meint sich so nahe an mich setzen zu müssen, dass er mich mit seiner triefenden Haut berührt, dass mich Schüttelekelfrost am ganzen Körper überkommt.

 

Zumindest ist das Fahren für mich durch meine Studentenkarte kostenfrei, so muss ich mich wenigstens nicht über die unverschämten Preise der LVB von mittlerweile 2,3€ die Stunde rumärgern.

Oder 1,7€ für vier Haltestellen.

Wichtig ist beim Bahn- und Busfahren, im Winter gewisses Zubehör einzupacken.

Wärmekissen für den Nacken, eine Thermokanne mit Tee, Hörbücher aufm MP3-Player und gute Musik, damit man zur Not an der Haltestelle tanzen kann, damit einem warm wird, da die Bahn mal wieder mindestens eine halbe Stunde zu spät kommt.

Da dieses Phänomen jedoch nicht nur im Winter auftritt, sollte man auch im Sommer, wenn man einen Termin hat, mindestens eine Dreiviertelstunde eher losstiefeln, um wenigstens eine Chance zu haben, pünktlich zu sein oder den Zug zu schaffen.

Besser noch ist eine Stunde oder anderthalb, da das aber kein Mensch macht, ist in Leipzig das „Zuspätkommen“ mittlerweile schon fast überall toleriert, wird sogar teilweise schon eingeplant.

Partyeinladungen beispielweise tragen zumeist den Startzeitpunkt „20 Uhr“, wobei eine Stunde den LVB zugerechnet wird, eine halbe Stunde denjenigen, die sich, wie ich meist erst zu Tode suchen, da sie die Straße oder Hausnummer nicht finden und eine Stunde, da man nie verfrüht oder tatsächlich zum festgelegten Startzeitpunkt auf der Party erscheint.

So wird mit den Gästen dann also frühestens um 22:30Uhr oder 23:00 gerechnet und wundert sich doch arg sehr, wenn die Menschen eher eintrudeln.

Ich persönlich habe es eh nicht so mit Zeitplanung, beziehungsweise plane ich schon, schaffe aber nie, rechtzeitig mit aufräumen und vorbereiten fertig zu sein, und so ist es gar nicht so schlecht, diese Stunde Spielraum dank den LVB zu haben.

Also vielleicht sollte ich mich eigentlich nicht aufregen..

 

Laufen ist für mich leider selten eine Alternative, da ich meist lange Wege zurücklege, wo ich eine oder anderthalb Stunden zu Fuß unterwechs wäre.

Wahnsinn ist, was ich letztens erlebte: wenn die LVB eine Ersatzhaltestelle einrichtet, da gebaut wird, jedoch aber der Busfahrer darüber nicht informiert wird und einfach an einer Menschenmenge vorbeirattert.

Oder aber er freut sich einfach, wenn er mal ein paar Leute ärgern kann.

Schön vor allem, wenn dies an einem Sonntag geschieht auf einer Buslinie, welche nur einmal aller halbe Stunde fährt.

In diesem Falle entschied ich mich dann doch für das Laufen, ich kam gleichzeitig an meinem Endziel mit dem darauffolgenden Bus an und fragte mich, ob auch dieser an der Haltestelle vorbeigefahren war und die Menschen, die beharrlich und zugleich sehr mutig stehen geblieben und weiter gewartet haben, heute dort versauern werden.

Ich hatte kurz überlegt, meine zwei Schlafsäcke aus dem Keller zu holen, und sie den bemitleidenswerten Wartenden zu bringen, doch dann hätte ich ja auch wieder den Weg zurücklaufen müssen, und so beschloss ich, mal ganz unmenschlich zu sein und mich in meiner warmen Wohnung mit einem Film zu vergnügen.

 

Letztens dann erlebte ich eine Seite der LVB, die mir zuvor ganz verschlossen geblieben war – zum Glück.

Noch in der Kurve, ein paar hundert Meter bevor die Bahn normalerweise zum Stehen kommt und die Fahrgäste wieder an die frische Luft springen, froh dem nach Urin stinkenden Abteil entfliehen zu können da endlich angekommen, drückte ich den „Halstestellenwunsch“. Das Knöpflein und die Leuchtschrift an der Tür blinkten sogar, also funktionierte er auch.

Doch neuerdings ist der „Haltestellenwunsch“ leider tatsächlich nur noch ein Wunsch und wird wörtlich genommen, denn der Fahrer ratterte unbeirrlich an der Haltestelle vorbei.

Ich hab nicht schlecht geguggt, und mir schlief das Gesicht ein, als ich daran dachte dass meine und die darauf folgende Haltestelle unglaublich weit voneinander entfernt liegen.

Ich konnte nur hoffen, er würde dieses Mal halten und nicht bis Markkleeberg durchrattern.

Zumal ich wusste, dass keine Bahn mehr zurückfährt, da schon viel zu spät.

Ich hatte Glück, wahrscheinlich hatte er grad eine erfreuliche SMS bekommen, er beschloss, mich hinauszulassen.

Und ich lief nach Hause.

 

Seit einigen Wochen nun ernähre ich mich nur noch von Nudeln und Reis, um das Geld für ein Fahrrad zu sparen..

 

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Published by rueckwaerts - in Tips- Sonstiges
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Zudem: Wenn ihr auf einer Seite landet, auf der Musik losspielt und

diese aber nicht euer Fall ist, einfach runterscrollen. Der Player befindet

sich dann in einem meiner Artikel.

Da ich alles recht schlicht halte, ist er auch auf Anhieb zu erkennen ;)

Ein so kleines Kästchen, wo ihr einfach auf Pause klickt.

 

 

Ich wünsche euch viel Spaß.

 

 


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