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29. Juni 2012 5 29 /06 /Juni /2012 21:19

Ungefähr 580 Kilometer.

Und auf diesen 580 Kilometern wechselnd Gespräche, Schweigen, Gespräche..

Irgendwo dann zwischen dem ersten und dem letzten Kilometer - Erinnerung.

 

Früher.

Ich noch ein Stöpsel, sehr klein.

Schon die Vorbereitungen währten ewig, waren fast ein Ritual für die Großmutter.

Aber für mich ein sehr nerviges.

"Mach ma da nich so viel Butter drauf, das is eklig!". Beinahe zum 100. Mal sagte ich das, es wurde wieder gekonnt ignoriert.

Würde ich also wieder ohne Brot sein die Fahrt über.

Butter ist eklig, zumindest in solcher Menge!

Die Frage danach, was ich drauf haben wollte, endete wie immer:

"Butterbrot mit Salz schmeckt doch nicht!!!" - doch ich wollte nur Butter und Salz, ich liebte es sehr.

Trotzdem - Käse und Wurscht draufgeklatscht!

"Oma, ich ess doch kein Käse.." - den Käse ließ sie eisern auf dem Brot liegen.

"Wieso ist du kein Käse? Käse ist gesund!".

Fieser Blick zu mir.

Ich wusste, es war an der Zeit, zu schweigen.

Ich wusste, es würde auswegslos sein. Schon die letzten Jahre wurden meine Wünsche ignoriert.

Und meine Bitten abgetan als Mäkelei.

"Du bist viel zu mäklig" - das hörte ich in meinem Leben auch so an die hunderte Male.

Dass jeder Mensch einen anderen Geschmack hat, war da egal. Es musste akzeptiert werden, was man vorgesetzt bekommt.

Tomaten hasste ich, ständig gab es also eine "Tomatenstandpauke" und Versuche, mir diese ekligen roten Dinger trotzdem in den Mund zu quetschen, wobei mich schon der Gedanke an diese Gummiartige Schale, das feste Fleisch und den Wabbel darin anwiderte und mir Ekelgefühle verursachte!

Da steht ein Topf mit kochendem Wasser, hatte mich schon gefragt, was darin gekocht werden würde - SCHWUPPS - die Wiener rein.
"Ich ess doch nur kalte und ich mag doch nicht wenn die gekocht sind".

Ein Stöhnen, als würde die Welt gleich zusammenbrechen aufgrund meiner Aussage. Ein komisches Geräusch mit dem Mund, was zwischen Schnalzen und dem Fauchen eines Leguans (ja, die fauchen gelegentlich) lag, undefinierbar aber klar mit der Aussage:

"Dieses Kind treibt mich noch in den Wahnsinn!".

Also sage ich halt jetzt gar nichts mehr, ist eh zwecklos.

Ich beobachte nur, wie ein Bottich mit Nudelsalat, der vor Majonese trieft, in gleichgroße Gläschen gefüllt wird, wie Massen an geschnittenem Obst und Gemüse in die Tubberware wandern, wie ein Haufen Eier nebenbei abgekocht und in Tüten gefüllt werden, wie ein Gurkensalat der bestimmt wieder nach nichts schmeckt den Weg in eine Dose findet.

And so on, irgendwann geh ich dann einfach Zähne putzen, weil es mir langweilig wird.

Geschimpfe aus der Küche, dass ich doch faul bin. Besser als das Geschimpfe vorher, dass ich im Weg rumstehe denke ich mir und putze fleißig weiter, um dann in den Schlafanzug zu schlüpfen und wenigstens die letzten Stunden vor Abreise ein wenig zur Ruhe zu kommen.

Ganz in der früh soll es schließlich los gehen, wenn es noch tiefschwarz draußen ist, die Straßen einem schwarzen Pinselstrich gleichen und kaum ein Auto zu sehen ist.

Schlafen kann ich lange nicht, weil mich die hartnäckige Frage quält, wer die ganzen Essensberge vertilgen soll, schließlich sind wir nur zu dritt und fahren vielleicht 5-6 Stunden. Wenns hochkommt.

Aber die Großmutter verhält sich immer so, als hätte man eine Weltreise vor sich und als würde im Zeitraum eben dieser wahrscheinlich die Welt untergehen und wir seien die einzig überlebenden.

 

Nachdem wir dann ein wenig gefahren sind (ich todmüde und unglaublich genervt), wird die erste Rast eingelegt.

Und mir grauts schon, als wir auf den Rastplatz fahren.

Da gibts Futterstellen für Menschen - mit einem abgenutzten Holztisch und Bänken drumherum, die auch schon bessere Tage gesehen haben und für Kinder zudem in ihrer Höhe gänzlich ungeeignet sind.

Und da wird man noch angepfiffen, wenn man kleckert..

Ich esse nicht viel, da ja wieder kaum etwas für mich akzeptables dabei ist, muss aber da trotzdem ewig verharren, da das so üblich ist.

Jede Rast wird ewig ausgedehnt, die Kinder schauen sich nur alle stumm und wehleidig an, da sie nichts tun können als den Erwachsenen beim Essen zuzusehen, die so wirken als würden sie NIE fertig bzw. satt werden.

Dann wird noch geplauscht mit dem Tischnachbarn, ich verdreh schon die Augen.

"Geh nochmal auf die Toilette!" ruft die Großmutter. Ich muss aber nicht und will vor allem nicht, da die Klos hier wieder widerlich stinken und versifft sind, dass es mich hebt.

Ich sag also, ich muss nicht und hoffe, das Thema ist wenigstens dieses Mal erledigt.

"Du gehst aber, nicht dass du dann im Auto jammerst!" "Ich muss aber wirklich nicht!" sag ich mit flehendem Blick.

Jetzt geht die Diskussion los.

Ich bin sieben oder acht zu dem Zeitpunkt, keine drei mehr, so viel sei mal gesagt. Ich werde doch wohl in dem Alter selber wissen, ob ich pissen muss oder nicht!

Das trau ich mich aber nicht zu sagen, denn dann gibt richtig Schelte.

Das Ergebnis genau dieser Diskussion endet unterschiedlich. Meist gewinnt sie und zwängt mich auf dieses widerliche Klo, wo ich meine "Luftanhalt"-Rekorde immer wieder um ein vielfaches gebrochen hatte.

Ich hätte zu dieser Zeit mit dem Tauchen anfangen sollen, ich hätte bestimmt die eine oder andere Medaille geholt!

Manchmal - selten - gewann ich auch.
Aber das war wirklich die Ausnahme.

 

Mittlerweile sind ein paar mehr Autos auf den Straßen, obwohl es noch immer dunkel ist.

"1, 2, 3, 4, 5 ...."

Er: "Hör auf, die Autos zu zählen! Du machst mich wahnsinnig" kommt es nach einer Weile vom Fahrersitz.

"Wieso?" meine verwunderte Frage. "Deshalb" lautet die Antwort.

"..11, 12, 13, 14...".

"HÖR SOFORT AUF; DIE AUTOS ZU ZÄHLEN DIE UNS ÜBERHOLEN!".

Meine Antwort fiel da folgendermaßen aus:

"Aber es gibt doch nur solche. Wir selber überholen doch keine! Mir ist sooo langweilig Opa, irgendwas muss ich ja machen!". Er sagt mir, dass ihm das egal ist und sagt, ich solle mir eine andere Beschäftigung suchen. Also beginne ich zu singen, was ihm nach kurzer Zeit aber auch nicht mehr zu behagen scheint.

"Spiele lieber mit deiner Oma >Ich sehe was, was du nicht siehst<!"

Mein Argument dagegen, dass wir auf der Autobahn sind und es nichts außer Autos, Bäumen und Straßen zu sehen gibt, zieht bei ihm nicht. Er weist mich darauf hin, dass die Autos verschiedenfarbig sind.

Dass das langweilig ist, scheint ihn nicht zu interessieren also versuche ich es mit einem anderen Argument, um diese Idee auszumerzen:

"Ja, aber sie überholen uns alle Opa! Da hat die Oma keine Chance, gegen mich zu gewinnen!".

Jetzt herrscht Schweigen, ich habe das Gefühl, die Luft knistert irgendwie, weiß aber nicht wirklich, warum..

 

Wir kamen natürlich heile am Ziel an. Trotz der Diskrepanzen.

Was aber geschah mit dem Essen?

..das diente noch 2 oder 3 Tage lang als Nahrungsgrundlage. War ja klar, dass das wieder so enden würde.

Dass da Zeuch schon eklig und wabbelig war, hatte nicht zu interessieren.

Und das gute gekochte, angebotene Essen der Gastgeber durfte nicht angerührt werden, bis die letzte Semmel gegessen war und auch die letzte Nudel vom Nudelsalat in mich hineingepresst worden war.

Nunja.

So ist das mit den Ritualen..

 

 

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Die noch fehlenden Artikel werden auch bald vertont, bitte um etwas Geduld ;) Frisst doch alles recht viel Zeit, weshalb ich nicht immer sofort dazu komme, das Geschriebene auch in auditiver Form bereitzustellen.

 

 


Zudem: Wenn ihr auf einer Seite landet, auf der Musik losspielt und

diese aber nicht euer Fall ist, einfach runterscrollen. Der Player befindet

sich dann in einem meiner Artikel.

Da ich alles recht schlicht halte, ist er auch auf Anhieb zu erkennen ;)

Ein so kleines Kästchen, wo ihr einfach auf Pause klickt.

 

 

Ich wünsche euch viel Spaß.

 

 


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