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11. März 2012 7 11 /03 /März /2012 01:43

Jeder Mensch wünscht sich, geliebt zu werden.

Jeder sehnt sich nach Wärme, Geborgenheit, Zuneigung.

Was allerdings macht man, wenn ein Mensch zu sehr liebt?

Wann wird die Grenze zur ungesunden Liebe überschritten?

 

 

 

Kleine Bar, gemütliche Gesichter rundherum.

In rot getauchtes Licht, marmorierte Stühle um runde Tische herum.

Und mittendrin - da sitzt sie.

Sitzt alleine, geflüchtet vor dem Trubel der Gesellschaft, geflüchtet vor dem unsinnigem Gerede der trunkenen Freunde.

Gönnt sich dort ein paar Minuten, den Kopf frei kriegen, an nichts denken, außer an den Wein in der einen, die Kippe in der anderen Hand.

Lässt die Seele in diesem verqualmt gemütlichen Raum baumeln und schlägt die Beine übereinander.

Man sitzt besser so!

Der Wein neigt sich langsam dem Ende, also muss sie sich langsam überlegen, was sie als nächstes zu sich nimmt.

Vielleicht einen Caipi? Oder einen White Russian?

Langsam steht sie auf, begibt sich gemächlich in Richtung Bar.

Dort angekommen wartet sie mit Engelsgeduld darauf, dass sie an der Reihe ist.

Zum Glück ist ja noch ein Schlückchen da.

Greift sich einen Barhocker, stehen mag sie einfach nicht.

Ordnet kurz ihr Kleid, beginnt dann in ihrer Tasche nach dem Geld zu kramen.

Als sie fündig geworden ist, blickt sie wieder nach oben, gespannt darauf, ob die Reihen sich um sie herum ein wenig gelüftet haben.

Haben sie nicht!

Ordentlich viel los heute hier - denkt sie so bei sich und blickt in das Gesicht eines jungen Mannes, ihr genau gegenüber auf der anderen Seite.

Er fängt an, so komische Gesten zu machen, sie muss lächeln und macht mit.

Fischgesicht gewinnt immer!

Er ist an der Reihe, er darf bestellen.

Bestellt, dreht sich um und ist fort.

Sie muss noch einmal lächeln und stellt sich wieder darauf ein, zu warten.

Überlegt kurz, ob sie nach ihm Ausschau halten soll. Überlegt es sich aber schnell anders.

Zu einer Beziehung ist sie eh nicht fähig, dessen ist sie sich bewusst, und ein schnelles Vergnügen - darauf hat sie noch weniger Lust.

Dann darf sie endlich bestellen, greift nach ihrem White Russian und verschwindet um die Ecke.

 

So vergeht Stunde um Stunde, bis frühs ist sie dort, vertreibt sich die Zeit mit den Freunden, läuft ein paar Mal noch dem Gesichteten über den Weg.

Blicken sich nur an, mehr nicht.

 

Irgendwann dann ist sie so erschöpft und sie weiß - sie hat noch den Heimweg vor sich.

Verabschiedet sich, dreht sich noch eine Kippe für den Weg und begibt sich nach draußen, wo der Tag sie schon anschreit und sie kurz davor ist, ein schlechtes Gewissen zu haben, da sie wieder bis mittags schlafen wird.

Drauf geschissen, die Nacht war gut, hat sich gelohnt - denkt sie so bei sich.

Und lacht dem Tag ins Gesicht.

 

Schließt ihr Fahrradschloss auf, holt ihren MP3-Player aus der Tasche. Will ihn gerade anmachen, da ertönt hinter ihr ein "Du gehst schon? Der Tag ist doch noch lang!".

Dreht sie sich um, weiß aber schon, wer hinter ihr steht.

Sieht ihn an und lächelt.

Sympathisch schaut er aus, der Kerl da.

Nett anzusehen, auch nicht zu plump das Ganze.

 

So also läuft es, wie es das immer tut.

Sie treffen sich, Picknick da draußen, gemeinsam Kochen, Essen, mal auf ne Party gehen.

Blicke werden immer intensiver, man mag sich immer mehr.

Gemeinsam Hand in Hand über die Wiese, wie im kitschigen Film, den sie gerade erst gestern angeschaut hatten.

Sie mag ihn schon sehr, ist sich aber bewusst, dass es sinnlos ist.

Sie mag ihn, ja.

Doch mehr leider nicht.

Denkt sich aber so bei sich - was nicht ist, das kann ja noch werden.

Er ist so lieb zu ihr, sie weiß er mag sie wirklich. Nicht lange haben sie sich Zeit gegeben, lassen sich viel zu schnell aufeinander ein.

So also läuft es, wie es das immer tut.

Und dann ist der Punkt erreicht, an dem sie meint, sie könne nicht mehr zurück. Und lässt es dann halt einfach geschehen. Unwohl ist ihr ja nicht dabei, sie mag ihn ja schon.

Und fühlt sich wohl und geborgen.

Wäre da nicht die Tatsache, dass da die ganze Zeit noch der andere Mensch in ihrem Kopf herumspukt.

Sie hat es gewusst, schon vorher hat sie es gewusst. Aber muss sich selbst ja etwas beweisen.

 

So kommt es, wie es immer kommt.

Sie verlässt ihn. Nicht lange haben sich die beiden die Zeit miteinander vertrieben, nicht lange hat es gewährt.

Ihr aber macht es nichts, sie ist nur froh ihn loszusein!

Er hat so an ihr geklammert, hat sie so eingeengt die letzten Wochen dass ihr Graus wurde.

Es fing wieder an, wie es zuvor auch schon war.

Einengen, anrufen, Wut.

Wut, dass sie sich mit Freunden traf und danach heim wollte und nicht zu ihm.

Vorwürfe über Vorwürfe.

Wollte sie alleine sein, dann keine Akzeptanz.

Wollte sie Ruhe, dann war das Telefon krass aktiv: Nachrichten, Anrufe, Nachrichten.

Und da wollte sie dann einfach nicht mehr. Beendet.

Viel Glück und so, mag dich gern, ich mag nicht Beziehung.

Bist ein toller Mensch, wenn du in Not steckst bin ich da, aber lass halt erst mal Abstand halten.

 

Da hatte sie schon geahnt, dass er etwas komisch war.

Hat geahnt, dass sie es beenden musste.

Denn sie ist ein Vogel, sie braucht Freiheit, braucht die Luft, braucht den Wind unter ihren Flügeln.

Und er war ein Vogelfänger, zu Anfang verkleidet als eine Nachtigall.

 

Da dachte sie doch tatsächlich, das Ganze hätte nun ein Ende gefunden, da holte er erst seine eigentlichen Werkzeuge heraus und versuchte, sie wieder einzufangen mit seinen besonderen Tricks.

Sie versuchte sich zu wehren, versuchte aber auch seine Wunden zu flicken.

Doch wenn ein Vogelfänger auf das Vögelchen hinzurennt und es versucht, einzusperren, wie soll das Vögelchen es dann schaffen, an seine Wunden heranzukommen und sie zu flicken?

Hat sie also ganz schnell aufgegeben, und ihm verboten, die Werkzeuge je wieder herauszuholen, flog dann hoch in die Lüfte und entfernte sich von ihm.

Da wurde er wütend, da wurde er sogar furchtbar wütend!

Er schleuderte ihr seine Wut entgegen, sie wusste gar nicht wie ihr geschah.

Da erkannte sie, dass ihm nicht zu helfen sei.

Und sie flog weit hinfort!

 

 

 

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Die noch fehlenden Artikel werden auch bald vertont, bitte um etwas Geduld ;) Frisst doch alles recht viel Zeit, weshalb ich nicht immer sofort dazu komme, das Geschriebene auch in auditiver Form bereitzustellen.

 

 


Zudem: Wenn ihr auf einer Seite landet, auf der Musik losspielt und

diese aber nicht euer Fall ist, einfach runterscrollen. Der Player befindet

sich dann in einem meiner Artikel.

Da ich alles recht schlicht halte, ist er auch auf Anhieb zu erkennen ;)

Ein so kleines Kästchen, wo ihr einfach auf Pause klickt.

 

 

Ich wünsche euch viel Spaß.

 

 


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