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20. März 2012 2 20 /03 /März /2012 02:33

Gründe, im Erdgeschoss zu wohnen


Viele Leute mögen ja gar nicht ins Erdgeschoss ziehen.

Beim besten Willen kann ich nicht verstehen, warum.

Viele prägende Erinnerungen an meine jetzige Wohnung werden mich wohl noch jahrelang begleiten!

So prägend, dass ich nun krampfhaft nach einer Erdgeschosswohnung gesucht habe, um solch Ereignisse nicht missen zu müssen!

 

Zum einen wäre da die Bahn, die am Fenster vorbeisaust.

Dies ist äußerst praktisch in schlaflosen Nächten. So kann man anstatt der Schafe die vorbeiratternden Bahnen zählen!

Zudem weiß man: Umso seltener die Bahn fährt, desto später ist es!

Und um so lauter sie vorbeiprescht, umso sicherer kann man sich sein, dass es weit nach 0 Uhr ist, da die Bahn so nicht mehr an allen Haltestellen hält und somit an einer Geschwindigkeit gewinnt, die man sich als Nicht-Erdgeschoss-Bewohner nicht mal zu träumen wagt.

Mit der Schnelligkeit der Bahn steigt natürlich auch automatisch das Erbeben der Erde, somit also hat man nach vielen vielen Jahren wieder eine „Wiege“ als Bett, was demnach Kindheitserinnerungen wieder aufleben lässt..

 

Zum anderen erfreut man sich daran, die Paketannahmestelle des Hauses zu sein.

So sieht man wenigstens einmal alle Gesichter, wo man doch sonst nie einen Menschen im Hause hört, geschweige denn sieht.

Niemals wieder alleine sein!

Außerdem ist es doch wunderschön, das strahlende Gesicht des Paketmenschen zu sehen, der sich freut, dass er nicht in den dritten Stock rennen muss!

Noch schöner wird es dann, wenn er immer gleich bei dir klingelt und den eigentlichen Adressaten gar nimmer versucht, zu erreichen.

Schließlich bist du froh, wenn du der Menschheit etwas Gutes tun kannst!

 

Lautstarke Gespräche vor deinem Fenster versüßen dir oft den Tag oder Abend.

Umso betrunkener oder älter die Leute, desto lauter werden die Unterhaltungen und du bist froh, endlich mal ein wenig Abwechslung zu haben.

Dass du so gar nicht mehr verstehst, was da im Film geredet wird, ist nicht weiter tragisch.

Schließlich ist es doch viel interessanter zu hören, dass eine Angelika, beste Freundin von der Freundin des Mädchens, dass da daraußen herumsteht, den Freund der Inge – die Schwester vom Udo – verführt hat!

Was braucht Mensch noch mehr?

Achja – vielleicht ein Gespräch über den trockenen Kuchen der Frau A., die letztes Wochenende zum Tee lud und definitiv den Kuchen sieben Minuten zu lange im Backofen ließ!

DANN ist Mensch glücklich!

 

Wenn man mal vergisst, die Rollos herunterzumachen und einen Gast hat, also morgens nackend aus dem Bett aufsteht, sieht man am Blicke der vorbeigehenden Leute, ob man sich mal wieder auf Diät setzen sollte.

 

Mülltonnen direkt vor dem Fenster gestatten zudem das unauffällige inspizieren der Hausbewohner Lebensstil!

Direkt durch das Fenster kannst du in den Mülltonnen schauen, was denn da so weggeschmissen wird und dir noch brauchbare Sachen herausfischen!
Was ein Luxus!
Der unschöne Geruch dabei ist nicht weiter schlimm, Mensch kann sich doch an alles gewöhnen!

Viel zu schön ist es, diese Möglichkeiten zu haben, da kann man das doch sicher ignorieren!

Weiß gar nicht, wieso sich so manch einer darüber aufregt.
Das Beste an der Mülllagerung vorm Haus ist, dass wenn da einer auf der anderen Straßenseite daherläuft, der dir gar zuwider ist, du dir schnell die Biotonne aufklappst, dich freust dass es so bitter riecht, deine Hand hineinreckst und den Besagten mit einer Fuhre bewirfst!

Welch Segen!

 

Man vergisst auch nie wegen der Einbrecher, die Fenster zu schließen, so umgeht man das Problem der einziehenden kalten Luft im Winter, wenn man lüftet.

 

Der Keller verschafft immer wieder positive Gedanken, da man oft frierend dasitzt und sich da so denkt: „Wenigstens habe ich Kost und ein Dach überm Kopf und muss nicht wie andere im Regen herumrennen, da keine Heimat“

Das blau anlaufen an den Zehen und der Nasenspitze wird dann ungemein gerne hingenommen und Mensch lernt, dankbar zu sein, dass wenigstens noch keine Eiszapfen an der Nase oder den Ohren wachsen.

Die immensen Heizkosten sind auch unsagbar toll!

So lernt man wenigstens, nichts zu Essen und nimmt gut ab, da man das Geld für die Nachzahlung benötigt!

 

Erdgeschosswohnungen sind fabelhaft!

 

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19. März 2012 1 19 /03 /März /2012 22:10

Er wäre ein großartiger Onkel gewesen.

Ich habe daran gedacht, was ist wenn ich älter bin..

Mal angenommen, ich hätte doch ein Kind – irgendwann.

Dann wäre meine wunderbare Mama Oma.

Unsere Familie ist nun ganz anders, alles fühlt sich anders an.

Sie ist trotzdem wundervoll, doch fehlt da ein Teil.

Was wäre gewesen, wenn?

Was wäre gewesen, wenn er es nicht getan hätte?

Er hätte meinem Kind so viel beibringen können, es hätte ihn wahrscheinlich als den coolen Onkel angesehen, so wie ich meinen Onkel toll finde.

Wir hätten alle zusammen gesessen, zu Geburtstagen, zu Festlichkeiten oder zu Familienfrühstücken..

Was wäre gewesen, wenn?

Was wäre gewesen, wenn nicht..?

Es ist grausam, daran zu denken, aber ich muss es trotzdem.

 

Man fragt sich, was die Zukunft gebracht hätte, man fragt sich so einiges.

Durcheinandergewirbelter Kopf, alles dreht sich.

Einige Minuten am Tag lass ich dies zu, danach wieder wende ich mich dem Leben zu.

 

Und dann, in manchem Momenten möchte man darüber reden, da ein Weg erinnert.

Ein Wort - nur durch ein einziges Wort kannst du schlagartig binnen einer Sekunde in die Vergangenheit geworfen werden.

Bist dann weit fort, so weit, dass es vorerst unmöglich ist, dich zurückzuholen.

Und du träumst dich innerhalb kürzester Zeit durch die Vergangenheit, eine nicht existierende Gegenwart und eine niemals existierende Zukunft.

Mit ihm.

Zusammen.

 

Irgendwann lernst du, darüber zu lächeln.

..diese Zukunft wird es geben.

Denn in deinem Herzen existiert jene unwirkliche Realität so wahrhaftig, dass du immer ein Teil von ihr sein wirst.

 

 


 

 

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18. März 2012 7 18 /03 /März /2012 23:43

 

 

Da arbeiteten wir also als FÖJ’ler, machten ein freiwilliges ökologisches Jahr.

Warum sie das machte? Sie wollte ein freiwilliges soziales Jahr machen, bekam aber keinen Platz.

Zufällig bewarb ich mich bei einer gleichen Stelle wie sie. Wir nahmen die Stelle an.

Sehr lustig war die Sache mit den Weinbergschnecken.

 

Bei einem Familienessen im Restaurant teilte ich mir mit meinem Cousin sechs Weinbergschnecken. Die schmeckten gar sehr gut, waren super gewürzt , nur die Konsistenz war ein wenig seltsam.

Das erzählte ich ihr.

 

Wir sollten eine Herbstschau aus der Kräuterschau machen. In dem Verband kam nie ein menschliches Wesen außer den dort Arbeitenden vorbei, aber das sei erst mal hinten angestellt.

Jeden Tag sollten wir die sogenannten „Kräuter“, also Gänseblümchen, Beeren und Blätter von bestimmten Bäumen, Büschen und Wiesen sammeln, um Interessenten die Chance zum Lernen zu geben.

An dieser Stelle sei noch einmal erwähnt, dass dort nie jemand reinschnupperte!

 

Also aus dieser Kräuterschau sollte nun eine „Herbstschau“ werden – eine Idee, die uns vor Frustration wegen der Langeweile kam und sogar mal abgesegnet wurde.

 

Wir überlegten, was für den Herbst typisch sei und machten Infoblätter zu solch lustigen Sachen wie Kürbissen, Kastanien, …

Da ich ihr nun genau in diesen Tagen von dem Erlebnis mit meinem Cousin erzählte, beschlossen wir, auch ein Infoblatt zu Weinbergschnecken, welche im Herbst durch die Regenzeit doch schon recht häufig anzutreffen sind, zu erstellen.

Ein paar Fakten und unten drunter klatschten wir ein Weinbergschneckenrezept hin.

Nebenbei: Weinbergschnecken selber zu fangen und zu kochen ist verboten, die Tierchen stehen unter Schutz. Jedoch gibt es diese aus Züchtungen zu kaufen, was legal ist.

 

Was war dort die Hölle los!

Nach empörten Worten folgten ermahnende, böse Blicke begleiteten die ganze Zeit über den Wortschwall, der uns entgegengebracht wurde.

Nach unserem Vorschlag, einen Hinweis einzubringen, dass nur Weinbergschnecken aus Zucht verzehrt werden dürften, sprangen uns die Augen unserer Kollegen fast entgegen und der Wortschwall begann von neuem, nur noch lauter, empörter und mit mehr Aggressivität in den Stimmen.

Somit mussten wir also unser Infoblatt durch ein anderes ersetzen, welches uns trotzdem nicht von dem Vorhaben abbrachte, demnächst einmal Weibergschnecken über das Internet zu bestellen und diese nach unserem (aufbewahrtem) Rezept zuzubereiten.

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18. März 2012 7 18 /03 /März /2012 05:00
 18.03.2012
 

 

So viele verurteilen Disney-Filme.

 

Und doch steckt so viel Wahres schon alleine in den Liedern, die die Kinder von klein auf auswendig lernen, schon beim ersten mal Hören bleibt so vieles an Text hängen, da die Geschichten und die Lieder einfach berühren.

Meiner Meinung nach werden in diesen Filme noch viele Werte vermittelt, wie Liebe, Treue, und vor allem Hoffnung.

Der Hintergrund der Disney Filme ist tatsächlich umstritten, jedoch begreifen Kinder einfach diesen Hintergrund nicht und verstehen eventuelle Anfeindungen, die man durchaus hineininterpretieren könnte, nicht.

Niemals kämen sie auf nationalsozialistische Gedanken, wenn man Ihnen diese nicht gleichzeitig erklärt.

Diese Filme können die Kindheit überaus positiv prägen, solange man fähig ist, das Kind nicht in einer übermäßig ausgeprägten „Prinzessininenwelt“ zu erziehen, solange man fähig ist, dem Kind zu zeigen, wo die Grenzen zwischen Realität und Märchen liegen.

Ich selber habe mich gerne in die Welt der Disneyfilme geträumt.

Dies veschuf mir zauberhafte Träume, wenn ich mal nicht weiter wusste und nicht schlafen konnte, da mich ein Kind aus meiner Klasse geärgert hatte, hiefte ich mich in die Welt von Pocahontas oder Aladdin und hatte wunderschöne Träume.

Am nächsten Tag sah die Welt wieder ganz anders aus, ich hatte Hoffnung und konnte über viele Sachen hinwegkommen, die mich eigentlich sehr verletzten.

Als ich klein war, nahm ich mir unter anderem auch ein Beispiel an Aschenputtel.

Dies war die Zeit, als ich anfing, mein Zimmer von allein aufzuräumen, meiner Mutter langsam bei haushaltlichen Aufgaben zu helfen, einfach weil ich es schön fand, der gute Mensch aus dem Märchen zu sein  und nicht die böse Stiefschwester, die sich alles bringen ließ und sich bedienen ließ.

Ich selber wollte das Aschenputtel sein, als meine Mam dazu zu machen.
Dabei dachte ich nicht an den Prinzen, der mich erretten würde oder an das schöne Ross (ich liebte Pferde!), ich wollte einfach kein böser Mensch sein.

Von Cap und Capper lernte ich auch, was Freundschaft bedeutet.

Ich schwor meinen wirklichen Freunden, ich würde immer für sie da sein, egal was passieren würde, einfach weil ich die Idee schön fand, dass man immer füreinander da sein würde.

Ich fand den Gedanken schön, dass mir einmal in meinem Leben ein Mensch dafür dankbar sein würde, dass ich in einer schweren Situation für ihn da sein würde und ich fand es beruhigend, dass ich selber vielleicht einmal auch dieses Glück erfahren dürfte.

Ich liebte König der Löwen, da dort immer wieder die Liebe im Vordergrund stand und ich hoffte, irgendwann jemanden zu finden, den ich liebe und der auch mich liebt, egal was die Vergangenheit brachte.

Ich phantasierte mich früher oft in Arielles Welt hinein, da jeder schließlich einmal in seinem Leben den Wunsch verspürt, woanders zu sein und ein neues Leben zu beginnen. Als ich noch klein war, wollte ich oft weg von zu Hause, da ich mich unverstanden und ungeliebt fühlte.

Dies half mir oft über schwere Zeiten hinweg, da immer ein Funken Hoffnung da war, dass alles gut werde.

Hunderte Male saß ich in der Wanne, sang Arielles Lied, und träumte mich hinfort.

Ohne die Disney- und andere Kinderfilme hätte ich viele Ereignisse nicht so gut weggesteckt, wie ich es damals konnte.

So kann ich nicht verstehen, dass so viele mittlerweile diese Filme verurteilen, wo sie doch in gesunder Menge einem Kinde so viel Hoffnung spenden können, so viele Werte vermitteln und die Phantasie eines Kindes so immens fördern können.

Wenn man erwachsen ist, kann man sich durchaus intensivst mit den Hintergründen der Disneyfilme beschäftigen, seine Kinder sollte man aber um Gottes Willen damit verschonen.

 

 

„Lausche mit dem Herz, dann wirst du versteh’n.“

„...ich nahm dich gern mit, denn ich brauchte dich auch…“

 

„..denn wenn sich die Welt verhielte wie ihr und friedlich  jeder Mensch friedlich spielte wie ihr – würde man Freundschaft verstehn und keine Schranken sehn …[..] denn nur mit Verstand bewahrt man sich ein Wunderland“

 

„Jetzt seid ihr Freunde noch, wahre Freunde.. also warten wirs ab, ob sich einer irrt, was aus eurer Freundschaft wird… jedenfalls.. ich hoffe ganz bestimmt, dass sie kein Ende nimmt“

 

„Doch wie kommt’s, dass du so vieles gar nicht weißt?“

 

"".. er lebt in dir, er lebt in mir
in Mond und Sternen,
und in jedem Tier..."

 

"...Da läuft sie hin, das Mädchen ist doch seltsam!
Ne ganz besondre Mademoiselle! So ein Jammer und ne Last, dass sie nicht zu uns passt!..."

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18. März 2012 7 18 /03 /März /2012 04:05
 18.03.2012
 
 
 Schreibstoff. Gehe hin zum Tanzen und wünschte, 
 ich hätte Zettel und Stift weil -
 Schreibstoff. 

 

Frage mich, wieso mich früher sowas angeturnt hat.

Sehe die Menschen hier, die meisten Mädels haben wahrscheinlch ewig vorm Spiegel gestanden und überlegt, was sie tragen werden, haben sich lange geschminkt im Hoffen, einen akzeptablen Typen kennenzulernen. Einen, vor dem man sich am nächsten Morgen nicht ekelt, aber auch einen, an den man sein Herz nicht hoffnungslos verliert.

Sitze hier mit einem Getränk, von einer Freundin ausgegeben.

Langweile mich nicht aber doch wirkt alles fremd.

Nicht im Sinne von "ichwarnochnichthier", eher im Sinne von "unfassbar".

War Partymensch, bin Schreibmensch und Nachdenkmensch geworden.

Alles ist für mich so stupide.

Menschen, die versuchen, sich im Rhythmus zu bewegen und denen man ansieht, dass sie hoffen, dass sie attraktiv und sexy wirken.

Attraktiver als die Freundin oder der Freund neben ihnen...

Prägendes Erlebnis.

War traurig, dass ich momentan nicht wirklich leben kann weil diese gesundheitliche Einschränkung vorhanden, jetzt aber stelle ich fest, dass es dazu keinen Grund gibt.

Sitze hier und schreibe.

Das gibt mir mehr als all das hier. Unterhalten kann man sich nicht, da zu laut, juckt mich aber nicht wirklich, da ich eh gleich gehen werde - verwundert und doch sehr glücklich!

 

 


 

 

 

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18. März 2012 7 18 /03 /März /2012 02:04
 18.03.2012


 
 

Ich bin so unermesslich glücklich.

Ich lebe, ich habe ein Dach über dem Kopf, ich habe es warm, ich habe eine Familie und auch sonst noch Menschen die ich liebe und die mich lieben.

Ich brauche nichts, als das Gefühl, solch Menschen um mich zu haben, Studieren zu können, zumindest ab und zu, das Gefühl, geborgen zu sein.

Ich werde geliebt und ich liebe.

Selbst wenn es ein Mensch ist, der mich nicht liebt.

Schon alleine, lieben zu können, ist ein Wunder. Viele Menschen haben selbst das verlernt.

Bisher habe ich gelernt, alles zu schätzen, was schön ist, alle zu schätzen, die mich unterstützen.

Alle zu lieben, die ihr Leben bewundern.

Ich habe gelernt, aus negativen Sachen positives zu gewinnen.

Habe gelrnt, alles lockerer zu nehmen.

Habe gelernt, was es heißt, Verantwortung für mich selber und für andere zu übernehmen.

Habe gelernt, was es heißt, Menschen auch mit Kleinigkeiten glücklich zu machen,

Habe gelernt, was es bedeutet, einen Menschen in den Arm nehmen zu können, der mir sehr viel bedeutet.

Habe begriffen, was es heißt zu leben.

Habe verstanden, was Leichtigkeit wirklich bedeutet.

Ich darf leben, ich bin hier. Auch wenn ich manchmal unter unerträglichen Schmerzen leide, auch wenn ich manchmal entstellt aussehe, wie in sonem Horrorfilm, auch wenn ich manchmal denke, ich müsste mich aufgeben…

So begreife ich doch jetzt umso mehr, wie kostbar das Leben ist, wie wenig sich lohnt, um Sachen zu trauern, die vorher als wichtig erschienen.

Um frühere Gefühle zu trauern, das Rausgehen und feiern............ Es gibt doch viel wichtigere Sachen im Leben.

Unbeschwert leben – das ist ein Traum, den ich die letzten Monate gewünscht hatte.

Das ist ein Traum, der unerreichbar schien, etwas, das so utopisch erschien.

Die Anfrage einer Bekannten, ob man nicht etwas machen könnte, weggehen, feiern.. all das war von Gedanken begleitet wie:

Nicht dass da viel geraucht wird und das Auge verrückt spielt….

Da sehe ich doch wieder nicht was um mich herum geschieht, flackerndes Licht, all das macht mich fertig…

Jetzt denke ich mir da so:

Wozu?

 

Das Argument zum Weggehen ist immerzu, neue Leute kennenzulernen, aber im Endeffekt lernt man keine Menschen kennen, da man eh nur betrunken über die Tanzfläche stolziert, auf der Suche nach einem Menschen, mit dem man sich kurzzeitig vergnügen kann, ohne Konsequenzen zu befürchten oder sein Herz zu vergeben, auf dass man es eh wieder verliere!

Schon alleine die Musik macht es absolut nicht möglich, da sie in einer solchen Lautstärke erschallt, dass man sich auch nur zwei zusammenhängende Sätze mitteilen kann.

Ich trinke mein Getränk aus und verlasse hochzufrieden den Laden……

 

 

 

 

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11. März 2012 7 11 /03 /März /2012 01:43

Jeder Mensch wünscht sich, geliebt zu werden.

Jeder sehnt sich nach Wärme, Geborgenheit, Zuneigung.

Was allerdings macht man, wenn ein Mensch zu sehr liebt?

Wann wird die Grenze zur ungesunden Liebe überschritten?

 

 

 

Kleine Bar, gemütliche Gesichter rundherum.

In rot getauchtes Licht, marmorierte Stühle um runde Tische herum.

Und mittendrin - da sitzt sie.

Sitzt alleine, geflüchtet vor dem Trubel der Gesellschaft, geflüchtet vor dem unsinnigem Gerede der trunkenen Freunde.

Gönnt sich dort ein paar Minuten, den Kopf frei kriegen, an nichts denken, außer an den Wein in der einen, die Kippe in der anderen Hand.

Lässt die Seele in diesem verqualmt gemütlichen Raum baumeln und schlägt die Beine übereinander.

Man sitzt besser so!

Der Wein neigt sich langsam dem Ende, also muss sie sich langsam überlegen, was sie als nächstes zu sich nimmt.

Vielleicht einen Caipi? Oder einen White Russian?

Langsam steht sie auf, begibt sich gemächlich in Richtung Bar.

Dort angekommen wartet sie mit Engelsgeduld darauf, dass sie an der Reihe ist.

Zum Glück ist ja noch ein Schlückchen da.

Greift sich einen Barhocker, stehen mag sie einfach nicht.

Ordnet kurz ihr Kleid, beginnt dann in ihrer Tasche nach dem Geld zu kramen.

Als sie fündig geworden ist, blickt sie wieder nach oben, gespannt darauf, ob die Reihen sich um sie herum ein wenig gelüftet haben.

Haben sie nicht!

Ordentlich viel los heute hier - denkt sie so bei sich und blickt in das Gesicht eines jungen Mannes, ihr genau gegenüber auf der anderen Seite.

Er fängt an, so komische Gesten zu machen, sie muss lächeln und macht mit.

Fischgesicht gewinnt immer!

Er ist an der Reihe, er darf bestellen.

Bestellt, dreht sich um und ist fort.

Sie muss noch einmal lächeln und stellt sich wieder darauf ein, zu warten.

Überlegt kurz, ob sie nach ihm Ausschau halten soll. Überlegt es sich aber schnell anders.

Zu einer Beziehung ist sie eh nicht fähig, dessen ist sie sich bewusst, und ein schnelles Vergnügen - darauf hat sie noch weniger Lust.

Dann darf sie endlich bestellen, greift nach ihrem White Russian und verschwindet um die Ecke.

 

So vergeht Stunde um Stunde, bis frühs ist sie dort, vertreibt sich die Zeit mit den Freunden, läuft ein paar Mal noch dem Gesichteten über den Weg.

Blicken sich nur an, mehr nicht.

 

Irgendwann dann ist sie so erschöpft und sie weiß - sie hat noch den Heimweg vor sich.

Verabschiedet sich, dreht sich noch eine Kippe für den Weg und begibt sich nach draußen, wo der Tag sie schon anschreit und sie kurz davor ist, ein schlechtes Gewissen zu haben, da sie wieder bis mittags schlafen wird.

Drauf geschissen, die Nacht war gut, hat sich gelohnt - denkt sie so bei sich.

Und lacht dem Tag ins Gesicht.

 

Schließt ihr Fahrradschloss auf, holt ihren MP3-Player aus der Tasche. Will ihn gerade anmachen, da ertönt hinter ihr ein "Du gehst schon? Der Tag ist doch noch lang!".

Dreht sie sich um, weiß aber schon, wer hinter ihr steht.

Sieht ihn an und lächelt.

Sympathisch schaut er aus, der Kerl da.

Nett anzusehen, auch nicht zu plump das Ganze.

 

So also läuft es, wie es das immer tut.

Sie treffen sich, Picknick da draußen, gemeinsam Kochen, Essen, mal auf ne Party gehen.

Blicke werden immer intensiver, man mag sich immer mehr.

Gemeinsam Hand in Hand über die Wiese, wie im kitschigen Film, den sie gerade erst gestern angeschaut hatten.

Sie mag ihn schon sehr, ist sich aber bewusst, dass es sinnlos ist.

Sie mag ihn, ja.

Doch mehr leider nicht.

Denkt sich aber so bei sich - was nicht ist, das kann ja noch werden.

Er ist so lieb zu ihr, sie weiß er mag sie wirklich. Nicht lange haben sie sich Zeit gegeben, lassen sich viel zu schnell aufeinander ein.

So also läuft es, wie es das immer tut.

Und dann ist der Punkt erreicht, an dem sie meint, sie könne nicht mehr zurück. Und lässt es dann halt einfach geschehen. Unwohl ist ihr ja nicht dabei, sie mag ihn ja schon.

Und fühlt sich wohl und geborgen.

Wäre da nicht die Tatsache, dass da die ganze Zeit noch der andere Mensch in ihrem Kopf herumspukt.

Sie hat es gewusst, schon vorher hat sie es gewusst. Aber muss sich selbst ja etwas beweisen.

 

So kommt es, wie es immer kommt.

Sie verlässt ihn. Nicht lange haben sich die beiden die Zeit miteinander vertrieben, nicht lange hat es gewährt.

Ihr aber macht es nichts, sie ist nur froh ihn loszusein!

Er hat so an ihr geklammert, hat sie so eingeengt die letzten Wochen dass ihr Graus wurde.

Es fing wieder an, wie es zuvor auch schon war.

Einengen, anrufen, Wut.

Wut, dass sie sich mit Freunden traf und danach heim wollte und nicht zu ihm.

Vorwürfe über Vorwürfe.

Wollte sie alleine sein, dann keine Akzeptanz.

Wollte sie Ruhe, dann war das Telefon krass aktiv: Nachrichten, Anrufe, Nachrichten.

Und da wollte sie dann einfach nicht mehr. Beendet.

Viel Glück und so, mag dich gern, ich mag nicht Beziehung.

Bist ein toller Mensch, wenn du in Not steckst bin ich da, aber lass halt erst mal Abstand halten.

 

Da hatte sie schon geahnt, dass er etwas komisch war.

Hat geahnt, dass sie es beenden musste.

Denn sie ist ein Vogel, sie braucht Freiheit, braucht die Luft, braucht den Wind unter ihren Flügeln.

Und er war ein Vogelfänger, zu Anfang verkleidet als eine Nachtigall.

 

Da dachte sie doch tatsächlich, das Ganze hätte nun ein Ende gefunden, da holte er erst seine eigentlichen Werkzeuge heraus und versuchte, sie wieder einzufangen mit seinen besonderen Tricks.

Sie versuchte sich zu wehren, versuchte aber auch seine Wunden zu flicken.

Doch wenn ein Vogelfänger auf das Vögelchen hinzurennt und es versucht, einzusperren, wie soll das Vögelchen es dann schaffen, an seine Wunden heranzukommen und sie zu flicken?

Hat sie also ganz schnell aufgegeben, und ihm verboten, die Werkzeuge je wieder herauszuholen, flog dann hoch in die Lüfte und entfernte sich von ihm.

Da wurde er wütend, da wurde er sogar furchtbar wütend!

Er schleuderte ihr seine Wut entgegen, sie wusste gar nicht wie ihr geschah.

Da erkannte sie, dass ihm nicht zu helfen sei.

Und sie flog weit hinfort!

 

 

 

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26. Februar 2012 7 26 /02 /Februar /2012 19:36
 27.02.2012
 

 

Befinde mich im Schwebezustand. Hab das Gefühl, als würde ich den Boden nicht berühren.

Erschütterungen werden nicht mehr wahrgenommen.

Kurz nach oben geschaut - grauer Himmel heute.

 

Trotzdem habe ich das Gefühl, als würde die Sonne mit ihrer vollen Kraft durch den Dunst auf mich scheinen.

Fühle mich geblendet von der Schönheit der Welt. Graue Fassaden werden vor meinen Augen bunt.

Hundehaufen werden zu wunderschönen Blumen, die man ja nicht zertreten darf.

Unfreundliche Blicke - verwandelt in breites Grinsen.

 

Eine ältere Frau an der Haltestelle neben mir - im heftigen Streit mit ihrem Mann.

Schweigt plötzlich!

Wird freundlich, liebevoll, nimmt ihn in den Arm, drückt ihm einen fetten Kuss auf die Wange.

Schlechte-Laune-Gesicht von ihm beginnt zu strahlen.

Er springt auf, beginnt zu tanzen. Dreht eine Pirouette, danach nimmt er sie an die Hand, zieht sie mit sich.

"Wie in einem schlechten Bollywood-Film" denke ich, als beide mit ihren Glockenhellen Stimmchen von 12 Jährigen singen beginnen, ihr Glück und ihre Liebe öffentlich kund zu tun.

 

Weiter im Leben geht es nun für mich mit Tram 9.

Kleines Kind mit Mutti hinten im Wagen, Kind gelangweilt, Mutter schaut müde und gestresst aus.

Bis die Dame Ihnen gegenüber beginnt, mit den Füßen im 3/4 Takt aufzutreten.

Mittig steigt nun ein Mann mittleren Alters ein, sieht das Szenario und beginnt, lauthals die Melodie des Donauwalzers zu singen.

So einfach kann man sich das Leben machen!

Das Kind versucht, seine tänzerischen Künste unter Beweis zu stellen, freut sich über diese rhythmisch-musikalische Abwechslung.

Erst schaut die Mutter verdutzt, dann steht sie langsam auf, nimmt das Kind bei der Hand und zeigt ihm die Schritte des Walzers.

Der Mann zieht eine winzig kleine Harfe aus der Jackentasche und beginnt, seinen Gesang mit Harfengeplätscher zu unterlegen.

Eine Harfe mag für diesen Zweck absolut unpassend klingen, zumindest bei diesem Stück.

Ist sie komischerweise aber überhaupt nicht.

Andere Menschen gesellen sich nach und nach hinzu.

Man kann von Glück sprechen, dass die Tram 9 nicht all zu überfüllt ist, so hat jeder genug Platz zum tanzen, singen und aufstampfen.

Ich muss aussteigen. Kämpfe mich durch die tanzenden Zweiergespanne, die mich ein wenig an meine Spieluhr erinnern, die ich zu Kindheitstagen besaß.

Auf ihr stand ein tanzendes Paar, welches sich im Kreise zur Melodie bewegte und so elegant und zufrieden aussah.

 

Stecke mir eine Zigarette an und sehe zu, wie die Bahn weiterfährt, die tanzende Meute in ihrem Bauch.

 

 

 

 

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23. Februar 2012 4 23 /02 /Februar /2012 22:20
 23.02.2012

 

Der Februar der Februar.

Alles steht Kopf.

Alles in Bewegung, nie Ruhe. Vorwärts! Vorwärts!

Schläge ins Gesicht, dann wieder durch sanftes Massieren der Seele das Herz so in Verwirrung gebracht, dass es nicht weiß, ob es stillstehen oder springen soll. Denn es geht bergauf.

Es macht man so und man so.

Hie schweigt es still, verkriecht sich, da es nicht weiß, wohin mit sich.

Da wiederum beginnt es zu rennen und zu schlagen, dass es sich anfühlte, als hätte man tausende von Nadeln in der Brust.

 

Alles verändert, durch eine erzählte Sache.

Eine erzählte Sache, die mich zurückwarf und mich zweifeln ließ. An allem.

Vor allem an meinem Bauchgefühlt.

Kopfstand der Welt, durch eine erzählte Sache.

 

Dann aber – denn man ist ja nun erwachsen geworden – Reden.

Reden, erläutern, Ungläubigkeit und betretenes Schweigen. Zigarette.

Erzählte Sache gibt es so nicht.

War dann doch alles vor Umsonst. Die Aufregung. Der Kopfstress. Viel zu viel mit einmal auf einmal.

Viel zu viel, Zerstören des Vertrauens.

 

Und wieder steht die Welt Kopf.

Falsch herum stand sie und steht jetzt wieder falsch herum.

Steht sie dann also richtig herum?

 

Kann nicht sein.

Was ist das für eine Logik, in der ein Fehler gar kein Fehler war und dann doch alles seine Ordnung hat und aber wieder auch nicht.

Kopfschütteln meinerseits.

Verwirrung. Und doch so viel Klarheit wie schon lange nicht mehr. Beides zugleich. Vernetzt. Vernetzt. Fäden überall die so herumhängen und mich teilweise durchblicken lassen. mir teilweise die Sicht versperren. Netze. 

 

Fragestunde.

Was ist die Wahrheit?

Ist die Wahrheit, was ein Mensch sagt oder tut?

Liegt die Wahrheit im Gedanken?
Ein Mensch kann anders Reden und Tun, als er denkt. Was dann aber ist die Wahrheit derer beiden Dinge?

Spott und Verhöhnung – Mal angenommen gesagt. Denken aber tut man etwas anderes.

So kann man ja doch nicht sagen, das Gedachte sei die Wahrheit.

Denn spricht man so Schimpfsachen aus, so ist dies nicht ungesagt.

 

Was ist die Wahrheit?

Wem kann man glauben?

Wem schenkt man sein Vertrauen?

Was ist gesagt, was nicht. Was sind Worte? Was sagen sie?

 

Abwägen.

Wie mit einer Waage die einzelnen Geschehnisse auf die eine oder andere Seite legen.

Unklarheit ist eigentlich nicht unklar.

Ich verlasse mich auf mein Bauchgefühl. Wieder.

Hätte ich auch damals tun sollen.

War das doch alles so unbegreiflich. Ein Mensch, der immerzu brutal ehrlich, soll auf einmal das Gegenteil sein?

Auf einen Tag?

Weiß für mich dann doch, was mir gut tut und was nicht.

Weiß für mich mein Glück zu finden und das Unglück zu entfernen.

Ich entscheide mich hiermit für mein Glück.

Denn es geht mir gut dabei.

Zu gut.

 

Zigarette.

 

 


 

 

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21. Februar 2012 2 21 /02 /Februar /2012 18:21
 21.02.2012
 
 
 
 

 

Und ich stehe vor deinem Grab und kotze!

Dabei weiß ich gar nicht wer du warst. Oder vielmehr – was du warst.

Sollte ich dich beschreiben, könnte ich es gar nicht verwörtlichen.

 

Und jetzt stehe ich hier, kotze, und kann gar nimmer aufhören. Und freue mich darüber, endlich meinem Unmut Luft machen zu können.

 

Ich kenne ihre Zeilen, kenne sie, als seien es meine eigenen.

Weiß, was du mit ihr getan, weiß, welche Narben sie durch dich trägt.

 

Kannte dich von früher da, als wir noch alle jünger waren. Schienst ganz nett, ein wenig verrückt vielleicht, aber doch ganz nett.

Akzeptabel warst du da in meinen Augen. Bis ich ihre Zeilen zu Gesicht bekam.

Und mein Gesicht veränderte sich. Bekam einen grauen Schimmer, der nie mehr weggehen sollte. Begriff ich doch just in diesem Moment, was leben bedeutet und was es bedeutet, entlebt zu werden.

Durch dich.

 

Irgendwann dann – da war es mir genug. Jeden Abend stankst du immens – nach „ich komm nich mit meim Leben klar“. Und als ich kurz davor war, auch zu stinken, hielt ich mich denn von dir fern. Brach den Kontakt ab und beschloss, ein Leben weit weg deines Gestankes zu führen.

Und so schob ich ihre Zeilen in den entferntesten Winkel meines Kopfes, drehte mich um und ging hinfort.

 

Dein Gestank aber holte mich immer wieder ein. An so manchen Abenden erinnerte ich mich daran und ekelte mich aufs Neue. Zum Glück wurden diese Erlebnisse immer seltener.
Wüsste nicht, wie ich sonst wieder hätte ruhig leben können.

 

So verging dann Jahr um Jahr.
Ich hatte gelernt, achtsam zu sein.

Stellte dann fest, dass ich zu achtsam war. Vertrauen unmöglich. Nicht mal meinen besten Freunden vertraute ich. Arbeitete an mir, veränderte  mich Tag für Tag. Drehte mich mit dem Winde, folgte kleinen Lüftchen, lernte wieder, mit dem Sturm zu tanzen und zu singen, wann immer es mir möglich war.

Lernte, die Sonne zu genießen, wobei sie mir zuvor immer lästig war, da alle Welt dann glücklich schien.

War sogar irgendwann fähig, einfach mal nichts zu tun.

Dazuliegen, so ganz ohne alles.  Ohne Buch. Ohne Musik. Es gelang mir sogar manchmal, nicht einmal nachzudenken und einfach die Welt Welt sein zu lassen.

 

Bis eines Tages du vor mir standest.

Ein Abend in der Heimat, nichts zu tun gewesen. Leipzig lag ruhig.

Zu ruhig, wie ich hätte bemerken sollen.

Denn schon immer war es so. Wenn diese besondre Art der Ruhe die Welt und so auch mich erfüllte, kam von irgendwo daher eine Welle auf mich zu. Irgendetwas, das versuchte, mich hinfort zu reißen und zu ertränken.

Und siehe da!

Die Klingel schrillte.

 

Da hab ich dann die Tür geöffnet, und du standst vor mir.

Mit einem unsicherem Lächeln. Ich dachte mir so kurz bei mir: töten das Vieh!

Ließ es dann aber.

Ich entschloss, dir zuzuhören und zu schauen, was du nun bist.

In mein Haus lassen konnte ich dich, kanntest es ja ohnehin und umziehen würde ich eh bald schon. Dann würdest du nicht mehr wissen, wo ich zu finden wäre.

Hielt die ganze Zeit außerhalb deines Blickwinkels ein Messer bereit.

Auf der Lauer, stets bereit, dich anzugreifen.

Oder wohl eher, mich zu verteidigen.

Solltest du es schaffen, mir das Messer zu entreißen, so lägen dann hier auch genug Flaschen herum, um eben eine von diesen zu greifen und über deinen Kopf zu ziehen, der doch so unfassbar leer ist.

Hast ich selber geleert, durch deinen Gestank.

 

Wie du dann so auf meinem Balkon saßest, stellte ich fest, dass du immer noch das Gleiche ---Nichts- bist, wie früher.

Littest wirklich an einem Herzfehler, das sei damals kein Spiel und Schabernack gewesen, sagtest du voller Verzweiflung.

Und da freute ich mich diebisch, dass ich dich hatte hereingelassen.

Dich so zu sehen entfachte in mir ein Freudenfeuer.

 

Ich hatte nun die Wahl.

Die Wahl zwischen einem Leben weiter ohne dich und – einem Leben, dir bei deiner Selbstzerstörung zuzuschauen und dabei fein in die Hände zu klatschen. Die Möglichkeit, zu beobachten, wie du zugrunde gehst.

Ich war stark geworden, ich konnte deine Anwesenheit – zumindest unter diesen Umständen – recht gut ertragen.

Ich entschloss mich somit für die zweite Option.

 

An diesem Abend schickte ich dich schon nach kurzer Zeit fort, ein Mensch wollte mich besuchen, den ich sehr gerne mochte. Guter Grund, dich wieder rauszuschmeißen, guter Grund.

Nicht mal lügen war notwendig. Sagte dir einfach, ich mochte ihn um einiges lieber und wollte ihn durchaus sehen. Geh bitte!

 

Daraufhin folgten Telefonate. Immer wieder riefst du mich an, erkundigtest dich nach mir.

Und dass es dir so schlecht ging, war immer wieder Punkt der Tagesordnung.

Riesig gefreut habe ich mich da! Mein Herz machte immer einen kleinen Satz, wenn ich hörte, dass dein Leben immer mehr den Bach runtergeht. Hätte nie gedacht dass ich SO empfinden könne.

Bei folgenden Treffen war ich nie allein, immer war jemand in der Wohnung. Sonst hätte ich dich auch nie hereingelassen.

Hatte ihre Zeilen nicht vergessen.

Wie auch hätte ich sie vergessen können. Niemals werde ich sie vergessen, begleiten werden sie mich immer.

Es folgten wieder und wieder Annäherungsversuche von dir, du hast mich angewidert.

Diese bekannte Angst überkam mich.

Habe mich gefragt, ob ich das richtige tue. Ob ich mich nicht doch einer Gefahr aussetze.

Aber die Genugtuung tat so unfassbar gut, sie überrannte mich. Die Angst überging ich einfach. Ich konnte nicht anders.

 

So sehr gestunken wie früher hast du nicht.

Schon, aber nicht so krass.

Deshalb konnte ich davon ausgehen, du würdest mir nichts tun.

Denn Menschen zu verletzen schafftest du nur, wenn du so sehr gestunken hast, dass du dich selbst nicht mehr begriffen hast.

Ich warf dich schon immer nach kurzer Zeit raus, betrachtete dich immer nur kurz, um mich zu vergewissern, dass du dem Abgrund tatsächlich immer näher rückst.

 

Ich solle mich doch einmal bei dir melden, das waren deine Worte. Hab ich dann nur getan, wenn ich nicht mehr sicher sein konnte, dass du noch lebtest.

Rief dann kurz an, um zu hören, ob du lebst oder vielleicht doch endlich das Zeitliche gesegnet hattest.

Lange musste ich warten, sehr lange.

Meine Ungeduld wuchs stetig an.

 

Bis dann eines Tages der Anruf kam.

 

Und jetzt stehe ich hier.

Ich stehe vor deinem Grab und kotze!

Eine besondere Art der Freude erfüllt mich, eine Freude, die mit immenser Erleichterung einhergeht.

 

Irgendwann dann ist mein Magen so leer, dass einfach nichts mehr geht.

Das finde ich schade aber – alles hat ja nunmal ein Ende.

Die Sonne scheint dezent hinter den Bäumen hervor, ein paar Vögelchen singen, ein leises Windchen weht.

 

Sie lebt weiter in einem Käfig, eine gebrochene Seele, die man versucht hat zu flicken. Da das nicht ging, sperrte man sie einfach weg. In der Hoffnung, sie könnte vergessen werden. In der Hoffnung, auch sie möge einfach so dahinsterben, ohne dass einer es bemerke.

 

Doch ich tanze mit dem Windchen davon, nehme mich der Vögel an und singe mit.

Mehr schlecht als recht, da meine Stimme vor Freude zittert und gar nicht weiß, wie sie singen soll, da sie doch so überhaupt keine Kontrolle über sich hat.

Aber ich ignoriere sie und tanze und singe weiter.

 

Nun kannst du niemanden mehr verletzen.

 

 

 


 

 

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Zudem: Wenn ihr auf einer Seite landet, auf der Musik losspielt und

diese aber nicht euer Fall ist, einfach runterscrollen. Der Player befindet

sich dann in einem meiner Artikel.

Da ich alles recht schlicht halte, ist er auch auf Anhieb zu erkennen ;)

Ein so kleines Kästchen, wo ihr einfach auf Pause klickt.

 

 

Ich wünsche euch viel Spaß.

 

 


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