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Bauchtanz

Bauchtanz

 27.02.2012

Befinde mich im Schwebezustand. Hab das Gefühl, als würde ich den Boden nicht berühren.

Erschütterungen werden nicht mehr wahrgenommen.

Kurz nach oben geschaut - grauer Himmel heute.

 

Trotzdem habe ich das Gefühl, als würde die Sonne mit ihrer vollen Kraft durch den Dunst auf mich scheinen.

Fühle mich geblendet von der Schönheit der Welt. Graue Fassaden werden vor meinen Augen bunt.

Hundehaufen werden zu wunderschönen Blumen, die man ja nicht zertreten darf.

Unfreundliche Blicke - verwandelt in breites Grinsen.

 

Eine ältere Frau an der Haltestelle neben mir - im heftigen Streit mit ihrem Mann.

Schweigt plötzlich!

Wird freundlich, liebevoll, nimmt ihn in den Arm, drückt ihm einen fetten Kuss auf die Wange.

Schlechte-Laune-Gesicht von ihm beginnt zu strahlen.

Er springt auf, beginnt zu tanzen. Dreht eine Pirouette, danach nimmt er sie an die Hand, zieht sie mit sich.

"Wie in einem schlechten Bollywood-Film" denke ich, als beide mit ihren Glockenhellen Stimmchen von 12 Jährigen singen beginnen, ihr Glück und ihre Liebe öffentlich kund zu tun.

 

Weiter im Leben geht es nun für mich mit Tram 9.

Kleines Kind mit Mutti hinten im Wagen, Kind gelangweilt, Mutter schaut müde und gestresst aus.

Bis die Dame Ihnen gegenüber beginnt, mit den Füßen im 3/4 Takt aufzutreten.

Mittig steigt nun ein Mann mittleren Alters ein, sieht das Szenario und beginnt, lauthals die Melodie des Donauwalzers zu singen.

So einfach kann man sich das Leben machen!

Das Kind versucht, seine tänzerischen Künste unter Beweis zu stellen, freut sich über diese rhythmisch-musikalische Abwechslung.

Erst schaut die Mutter verdutzt, dann steht sie langsam auf, nimmt das Kind bei der Hand und zeigt ihm die Schritte des Walzers.

Der Mann zieht eine winzig kleine Harfe aus der Jackentasche und beginnt, seinen Gesang mit Harfengeplätscher zu unterlegen.

Eine Harfe mag für diesen Zweck absolut unpassend klingen, zumindest bei diesem Stück.

Ist sie komischerweise aber überhaupt nicht.

Andere Menschen gesellen sich nach und nach hinzu.

Man kann von Glück sprechen, dass die Tram 9 nicht all zu überfüllt ist, so hat jeder genug Platz zum tanzen, singen und aufstampfen.

Ich muss aussteigen. Kämpfe mich durch die tanzenden Zweiergespanne, die mich ein wenig an meine Spieluhr erinnern, die ich zu Kindheitstagen besaß.

Auf ihr stand ein tanzendes Paar, welches sich im Kreise zur Melodie bewegte und so elegant und zufrieden aussah.

 

Stecke mir eine Zigarette an und sehe zu, wie die Bahn weiterfährt, die tanzende Meute in ihrem Bauch.