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2 Veränderung der Wahrnehmung
 03. Dezember 2011
 

Veränderung der Wahrnehmung

Wir alle wissen es - Blinde haben ein sehr stark ausgeprägtes Gehör.

Ich selber habe das jetzt erlebt!

ich bin zwar nicht blind, sehe jedoch auf dem einem Auge fast gar nichts und in vielen Momenten muss ich meine beiden Augen schließen, da es anders wegen der vielen Lichtquellen nicht geht und auszuhalten ist.

Ich hatte schon immer ein sehr gutes Gehör, aber es hat sich innerhalb dieser Zeit noch so einiges verändert.

ich nehme die leisesten Geräusche wahr, alles kommt mir auch mittlerweile viel lauter vor, als es eigentlich ist.

Dies kann sehr hilfreich sein, wie zum Beispiel im Straßenverkehr.

So nehme ich kleinste Einzelheiten wahr und kann mich so auf meine anderen Sinne verlassen.

Wenn ich beispielsweise über die Straße gehe, sehe ich ja auf der rechten Seite nichts und wenn ich mich drehe, so scheint vieles verschoben dadurch, dass ich nur mit einem Auge guggen kann.

 

Mein Gehör nimmt mir viele Kleinigkeiten ab, mittlerweile kann ich Entfernungen nur alleine durch mein Gehör zusätzlich besser einschätzen.

Hinzu kommt, dass auch mein "Tastsinn" viel stärker ausgeprägt ist.

Wenn mein Auge mal wieder arg schlimm war, schloss ich oft meine beiden Augen und musste mich sozusagen "durchtasten".

Mittlerweile nehme ich Vibrationen aller Art unglaublich sensibel wahr.

Wenn also ein Auto angerauscht kommt, achte ich zuerst auf mein Gehör, dann darauf, welche Schwingungen der Boden mir vermittelt und dann erst nutze ich mein Auge.

 

Dies alles ist auf der einen Seite unglaublich hilfreich, auf der anderen jedoch kann einen das in den Wahnsinn treiben.

Wenn ich früher über eine längere Zeit Baustellenlärm ertragen musste, so nervte mich dies einfach nur.

Mittlerweile treibt es mich in den Wahnsinn und ich bin manchmal kurz vorm verzweifeln.

Wenn ich dann also beispielsweise im Wartezimmer sitze, guggen andere genervt wenn draußen gewerkelt wird - ich jedoch muss mich zusammenreißen, dass ich nicht die Flucht ergreife und abhaue, da mein Kopf zu platzen scheint und dieses Geräusch mich völlig fertig macht.

 

Menschen

 

Menschen.

 

Bisher bei einem Treffen:

Ich stehe und warte, halte Ausschau. Suche die Menschenmengen ab nach dem mir bekannten Gesicht.

Analysiere die anderen, um mich zu beschäftigen.

Suche weiter, nach einer Tasche, einer Jacke.. irgendwas, von dem ich weiß - der Mensch, mit dem ich mich treffe trägt diese!

 

Jetzt bei einem Treffen:

(Die Sonne scheint. Brille tragen unmöglich wegen des Lichtes. Sonnenbrille aufgesetzt. Somit nicht nur blind auf dem rechten Auge, auch mein linkes wird nun unbrauchbar, da ich ohne Brille praktisch blind bin und noch keine Sonnenbrille mit Stärke besitze (durch Krankheit und Krankenhausaufenthalt noch nicht geschafft))

Stehe da, höre ganz leise Musik.

Augen geschlossen, warten dass endlich der Mensch kommt.

Höre mir die Stimmen um mich herum an, lausche, was sie reden. Such nach bekanntem Gesprächsstoff, nach bekannten Stimmen.

Kein Erfolg.

Öffne mein linkes Auge gerade so, dass ich wenigstens ein paar Umrisse erkenne.

Warte weiterhin. Auf einmal ein mir bekannter Gang - diesen Schritt kenne ich. Sehe einen braunen Umriss - muss eine braune Jacke sein. Einen blauen Punkt daneben - vielleicht eine blaue Tasche. Das müsste sie sein. Bin mir fast ganz sicher. Gehe auf sie zu. Höre ein Hallo und bin mir nun sicher!

Willkommen!