16.02.12
Du bist da. Jede Zeit meines Lebens begleitest du mich.
Lange konnte ich dich aus meinem Kopf verbannen, lange hat es funktioniert. Doch jetzt habe ich das Gefühl, du hast einen Weg zu mir gefunden.
Mittwoch war dann der Scheißtag. Mittwoch war der Tag, an dem ich das Gefühl hatte, du stündest neben mir, legtest deine Hand auf meine Schulter und …
Und ich wurde ruhig.
Wurde leise und fühlte mich so ruhig, wie schon lange nicht mehr. Saß da vor dem Zimmer und wartete – darauf, was gleich passieren würde.
Mir war alles egal. Nicht auf diese Art von wegen „Ich-hab-keinen-Bock“, eher so auf die Weise - „was passiert, passiert halt“.
Denn du warst ja da.
Bisher warst du nur anwesend, weil ich an dich dachte. Mir sagte: Das hätte er gewusst. Dies hätte er mir erklären können. Ich musste schmunzeln, weil ich mich erinnerte, wie du mir zu dem Thema schon einmal etwas erzähltest.
Jetzt ist es ein: „Hallo – da also bist du wieder“ – Gefühl.
In diesem Moment zumindest war es ein „Hallo – da bist du wieder“ Gefühl.
Wie ich dann aber aus dem Zimmer herauskam und erfuhr – Prüfung bestanden – so war ich mitnichten ruhig.
Da wurde aus der Ruhe ein gewaltiger Sturm.
In mir hatte ich das Gefühl, es tobte eine Menge Leute, wütend und aufgehitzt, machten da Krawall, schwenkten so ihre Schilder herum, dass sie meine Magenwand trafen und stampften alle gemeinsam im Takte auf.
Schön war das freilich nicht, doch ich wusste mich nicht gegen zu wehren.
Warum da diese Meute so ein Gezeter veranstaltete, war mir schleierhaft, hatte keinen leisen Schimmer.
Schnell dann ins Klo einsperren, wo zum Glück keiner ist, da ja Semester vorbei ist und nur noch ein paar Prüfungen laufen.
Wusste nur, du stehst hinter mir und schaust zu.
Siehst mich da so an und kannst ja auch doch nichts gegen tun.
So ging ich denn nach Hause, aß da so einen Salat und Nudeln und ertränkte die Meute vehemment.
In Soße. Und Wein.
Was bildeten die sich denn auch ein, mich nach so langer Zeit wieder zu penetrieren.
Ertränk sie jetzt einfach immer wieder.
In irgendeinem Matsch.
Ich will dich nicht immer bei mir haben. Ich mag dich nicht sehen. Ich mag wenn überhaupt – nur einen kurzen Gedanken aufwenden. Und dann nämlich, wenn ich das will und es mir erlaube.
Wenn ich nur kurz an dich denken kann, da da so viele um mich herumsitzen und ich gar nicht zulassen kann, allzu lang an dich zu denken.
Denn sonst fallen mir wieder so Sachen ein, wie du geredet und gelacht hast und all das Ganze.
Dann wird nämlich aus einer schemenhaften Skizze immer mehr das Abbild deiner selbst, gestochen scharf, beinahe lebendig!
Ich lebe! Ich lebe hier und ich lebe jetzt.
Was vergangen, ist vergangen. Und will mich nicht mit dir beschäftigen. ICH LEBE.
Und meine netzartigen Gedanken weben mich dann ein, so als ob ich mich fühlte, als sei ich tot. So dass ich taub bin, benommen, einfach so wie nicht da.
Und so hab ich dann nach dem Schmause noch ein bisschen Wein hinuntergeschickt – drehte mich dann zu dir um, nahm den Radierer und radierte dich einfach weg.
Solange du als Bleistiftzeichnung immer wieder erscheinst, ist mir das gut möglich.
Muss ich mir nur noch überlegen, was ich tu, wenn du in Eding-Gestalt auf mich zurennst.