Das Schlimmste ist meiner Ansicht nach, dass ich nicht einmal „in Ruhe“ weinen und heulen kann, wenn mir danach ist. Denn jedes Mal tut dann das Auge weh, fühlt sich seltsam an und es tritt wieder ein Fremdkörpergefühl auf. Wenn also das Auge recht stabil war und ich mal doch nicht an mich halten konnte und weinen musste, litt ich schon nach Kurzem unter diesen Symptomen und verbat es mir dann sofort, damit es nicht noch schlimmer würde.
Irgendwann hörte ich gänzlich auf, zu weinen. Es begann eine schlimme Zeit, anfangs war es meist sehr schwer, an sich zu halten, irgendwann ging es und auch jetzt noch – Monate später – belastet mich dies zutiefst. Es fehlt mir! Denn irgendwann muss man schließlich seinen Gefühlen freien Lauf lassen können, um nicht zu platzen.
Deshalb habe ich mich zum Beispiel bis jetzt (es ist nun ein Jahr her) mit dem Tod meines Cousins nicht befasst. Erst kam die Verdrängungsphase, und dann ging es ja schon mit dem Auge los. Verarbeitung nicht wirklich möglich. Zumindest nicht so, wie es nötig wäre.
Wenn alles schief geht und es immer mehr gibt im Leben, an dem man zweifelt, dann noch zwei Todesfälle belasten, ist es einfach hart. Nur sag ich mir dann immer: Wenn ich dann wieder gesund bin irgendwann, werde ich mir wohl 3 Tage lang nur schöne Musik anhören und alles rauslassen. Hemmungslos weinen. Wenn mir auf der Straße danach ist, wird es mir egal sein was andere Leute denken, was sie tuscheln hinter vorgehaltener Hand. Denn diese wissen einfach nicht, was es bedeutet, unbeschwert weinen zu können. Dann sollen ruhig alle sehen, wie mir zumute ist, dass ich weine, vor Glück, vor Trauer, vor Erleichterung, Wut,... Hauptsache, ich kann es irgendwann wieder einmal!
Unbeschwert!