Overblog Folge diesem Blog
Administration Create my blog
4. Juli 2013 4 04 /07 /Juli /2013 15:36

Während ich für dich den Nebel packe und ihn zerreiße, beschreiben deine Finger ein Lied, welches du nicht für mich anspielst sondern für eine längst vergangene Liebe.

Und der Horizont dehnt sich an jenem Morgen in unendliche Weiten, um Unerreichbarkeit zu malen, wie dein Schatten auf dem Podest.

Ein paar intensive Stunden gaukeln dem Narren vor, er könne den Leuten, die um ihn stehen und ihn betrachten, seine natürliche Schönheit zeigen, wobei er doch vergisst, dass er Schminke trägt, die ihn einzig witzig ausschauen lassen, egal wie traurig er wahrhaftig ist.

Und er stolpert über einen Stein, sein Zeh schmerzt ziemlich, das Publikum lacht denn es denkt, dies gehöre zum Programm.

Da bricht er in Tränen aus, und weiter lachen die Menschen um ihn herum, werfen ihm hie und da Geldstücke in den Hut, bis er die Flucht nach vorne ergreift.

Ich picke ihn irgendwo, ein paar Straßenecken weiter, auf und nehme ihn mit nach Hause. Stumm teilen wir das Bett, das einzige jedoch was wir außerdem teilen, sind unsere Gedanken.

Zusammen laufen wir dann am nächsten Morgen durch den angebrochenen Tag, allein auf den Straßen, denn alles schläft noch.

Die Samen der Pusteblumen können wir heute nicht fliegen lassen, der Taub benetzt sie, sodass sie zu schwer sind und sich nicht lösen können.

So laufen wir weiter durch das ungemähte Gras, hingerissen von der Schönheit der schwindenden Kälte, welche uns noch zärtlich den Nacken kitzelt.

Also schweigen wir, und erst als wir einen toten Fuchs entdecken, der schon länger dort liegt, so dass er mittlerweile aussieht wie der Leichnam eines Löwen, beschließen wir, gemeinsam Gedichte zu reimen.

Jeder spricht nur einen Vers, das abwechselnd. Nur verlassen uns die bedrückenden Gedanken nicht, so dass auch unsere Gedichte von der Last unserer Seelen sprechen, woraufhin wir bald aufgeben, da wir doch eigentlich genau wissen, wie glücklich wir sein müssten und uns unsere Traurigkeit zum Vorwurf machen.

Einen Handstand habe ich seit Jahren nicht mehr gemacht, ich bin einmal so bös gefallen, dass ich seit diesem Male solch Panik davor hatte, dass ich es gar nicht mehr versuchte.

Dieser Sonntag jedoch verspricht mit seinen glitzernden Spinnennetzen und im Winde wehenden Grashalmen Besserung. Also üben wir stumm, der Narr hält mich, er hält mich fest, so dass ich nicht fallen kann.

Also lasse ich mich fallen, begebe mich in seine Obhut, ohne Skepsis, ohne Angst, ohne groß nachzudenken, wie es sonst so meine Art ist.

Jetzt sehe ich endlich wieder glücklich aus, auch wenn dies nur daran liegt, dass ich kopfüber stehe.

Zudem beginnen meine Augen endlich wieder zu leuchten, das haben sie lange nicht mehr getan, denn dieses schwummrige Gefühl, das ich mit der Zeit bekomme, mag ich sehr.

Manchmal esse ich sogar zwei Tage nichts, da es mich auch dann wieder überkommt.

Denn den Handstand traue ich mich ja nicht.

Ich bin süchtig danach. Nach diesem Gefühl. Ich bin ein Junkie, aber das nehme ich nicht ernst, denn solange mir so für kurze Zeit wohlig ist, kann das nur gut sein.

Aber außerdem bin ich süchtig danach, andere Menschen glücklich zu sehen.

Und ihnen zum Glück zu verhelfen. Egal welche Art des Glücks. Also stelle ich mein Begehren hinten an, stelle mich bekümmert wieder auf meine Füße, und sage dem Narren, auch er sollte einen Handstand machen, damit ich ihn lächeln sehe.

Als wir später im nassen Gras liegen und die ersten Spaziergänger mit ihren Hunden unsere Ruhe stören, halte ich seine Hand, um sie küssen zu können.

Auch nach Liebe bin ich süchtig, wobei ich mir verweigere, Menschen in mein Leben zu lassen, die ich wirklich lieben lernen könnte.

Es gibt für mich zwei Arten der Liebe. Körperliche Liebe und die seelische. Natürlich kann man beide auch zusammen finden, nur nicht ich, ich habe nun einfach kein Glück.

Am Ende bleibt mir nur die körperliche, und diese liebe ich so sehr, dass ich sogar einem Narren die Hand küsse.

Mit einem Mal dann springt er auf, um einen Vogel zu fangen, seine zu großen Schuhe jedoch hindern ihn daran, schnell genug laufen zu können, also beginnt er einfach, sich im Kreise zu drehen. Ich springe auf und will es ihm gleichtun, doch entdecke ich weiter hinten eine Brücke, welche meiner vollen Aufmerksamkeit bedarf.

Die Pfosten die sie tragen, sind schon gerostet, dennoch stehen sie sicher, stehen fest auf dem Boden. Da Brücken für einen Neuanfang stehen, für eine Verbindung zwischen verschiedenen Welten, muss ich zu ihr gelangen und laufe los, unterwechs sammle ich noch einen Ast ein, tausend Blätter und bastle mir so Flügel.

Angekommen stelle ich fest:

Hässlich schaut sie aus, man hat versucht sie durch Malereien zu verschönern, doch ist dieser Versuch gescheitert, da sich nun unvollendete Bilder aneinander reihen, deren Farben teils schon ausgeblichen sind.

Ich unter der Brücke hindurch, frage mich, wie nach oben zu kommen sei.

Keine Treppe, keine Stufen kann ich entdecken, es scheint, als würde sie aus dem Wald herauswachsen, über das ehemalige Flussbett, dass jetzt nur noch aus der Wiese besteht, welche wir diesen Morgen erkundeten und als würde die Brücke wieder in den Wald hineinwachsen, ein Stilbruch, etwas das da nicht hingehört, wie eine Fratze im Dickicht. 

Um die tausend Schritte laufe ich, hin und her, wieder zurück, im Zickzack, den Kopf immer leicht zur Seite geneigt, um meine Ratlosigkeit auszudrücken.

Da momentan kein Wind, nicht mal eine Brise weht, bin ich mir sicher, dass auch meine Flügel mich nicht tragen werden, also suche ich weiter, mittlerweile vor Wut zitternd, da ich meinen Willen einfach nicht bekommen soll.

Irgendwann dann krame ich doch meine Brille hervor, welche ich aus Eitelkeit nicht trage, setze sie auf und -

entdecke rechts auf der hinteren Seite einen Pfad, der sich durch die Gebüsche nach oben schlägt.

Wie ich dann oben von der Brücke blicke, dreht sich der Narr immer noch im Kreise, seine Augen glänzen, während er ein längst vergessenes Lied singt. Das Lied seiner Liebe über eine ehemalige Liebe.

Und ich springe.

 

 

 

 

Repost 0
Published by rueckwaerts - in ..rueckwaerts
Kommentiere diesen Post
5. Mai 2013 7 05 /05 /Mai /2013 23:15

Das Telefon klingelt, ich wimmle den Anrufer ab.

"Jetzt nicht. Mir wurde soeben mein Herz gebrochen!".

 

Wenn ein kleines Mädchen dir in die Augen schaut und dir seinen Kummer anvertraut, dann ist das der Moment, an dem du Gefahr läufst, den ganzen Abend den Kopf nicht mehr freizubekommen.

Vielleicht sogar die ganze Woche. Oder noch länger..

Du läufst Gefahr, dich nach langer Zeit, sogar nach Jahren wieder machtlos und unsicher zu fühlen.

Denn ein paar Sätze, sowie der Fluss, der in ihren Augen steht und kurz davor ist, Damm zu brechen, reißt dich mit in den Strudel der Verzweiflung, den sie spürt.

Wie erklärt man einem kleinen Mädchen die Welt und dass diese auch grausam wirken kann, obwohl sie es manchmal vielleicht gar nicht unbedingt sein mag.

Und dass sie es wiederum ebenso sein kann.

 

Wie erklärst du ihr, dass Streit normal und sogar notwendig ist. Wie erklärst du ihr, dass sie geliebt wird, trotz dass sie immer das Gefühl hat, alles falsch zu machen und natürlich auch zurechtgewiesen wird, da dies die Pflicht der Eltern ist.

Einem Kind die Gefühle und Situation der "Erwachsenen" darzulegen, ist nicht einfach, zumal sowieso jede Situation von den Beteiligten anders aufgenommen und interpretiert wird. Jede kleine Geste, jede Mimik, all das lässt Spielraum offen und kann sogar fehlleiten.

 

Es ist jener Moment, der einen in die eigene Kindheit zurückwerfen kann und dem Erlebten wieder Gestalt verleiht, da es dem Geschilderten von ihr doch teilweise sehr ähnelt.

Und das ist ein furchtbares Gefühl, denn es ist der Moment, in dem du sie verstehst und helfen willst, dir jedoch die Hände gebunden sind.

Der Moment, in dem man sich fragt, wie viele ebenso spüren und wie viele auch oft in ihrem Zimmer liegen und weinen, aus der Angst heraus, man könnte einen Fehler begehen und danach Mama "verlieren".

Wie viele schon gebrochen sind, obwohl sie doch nur Kind sein und von Sorgen und Kummer noch nichts wissen sollten.

Zumindest nicht in diesem Maße, nicht in dieser Form.

Die Eifersucht auf andere Kinder, wenn sie Liebe erfahren von dem Menschen, den man sich nahe wünscht und der doch weit weg zu sein scheint.

 

Wie erklärt man einem Kind die Welt?

 

 

Repost 0
Published by rueckwaerts - in ..rueckwaerts
Kommentiere diesen Post
23. Januar 2013 3 23 /01 /Januar /2013 18:47

Mitten auf der Wiese, unweit vom Wegesrand, steht ein Pissoire, versteckt in einer Verkleidung von rohem Holz, nur zum Zweck grob geschliffen, sie läuft direkt darauf zu, es zieht sie dort hin.

Aus unerfindlichem Grunde weiß sie genau, was sie zu tun hat, bewegt sich beinahe wie ferngesteuert und wer sie besehen würde, würde meinen, sie sei eine Marionette.

Die langen Finger – ausgestreckt – weisen den Weg nach Norden, bereit, auch den Weg in ihre Zukunft zu zeigen, sofern es denn ihre Zukunft sei, und dem ist sie sich just in diesem Moment gar nicht mehr so sicher.

 

Es ruckt, die Tür zuckt und das Schloss kreischt kurz auf, als wolle es sie davon abhalten, den Lokus zu betreten, woraufhin sie nur noch energischer Schritt fasst.

Ihre Begleitung schweigt, sie hielt sich schon die ganze Zeit eher im Hintergrund, obwohl das wahrschlich schwerlich schien, denn auch die Madame ist still, als sei sie besonnen und handle reiflich überlegt, ohne in Ungeduld zu verfallen, was da wohl kommen möge.

 

Beide stehen sie stille in dem kleinen Raum. Der Spiegel liegt wohl schon lange in Scherben, der Plastikrahmen drum herum ist wahrhaftig auch nicht das, was man als schön bezeichnen würde, ein paar undefinierbare Spritzer kleben an der fünften Fliese oben von rechts, in einem Farbton zwischen einem Gelb-Bordeaux und einem Mädchenhaftem Violett scheinen sie von früheren Zeiten zu erzählen.

Der Wasserhahn auch von altem Bau, man muss ihn noch drehen, um sich die Hände nach dem Gang zu reinigen, und natürlich auch wieder abdrehen, sodass auch die Flecken auf dem Boden durch die Schusseligkeit den Einen oder Anderen Nutzer zuvor leicht zu erklären sind.

Das erste Mal treffen sich die Blicke der beiden Frauen, ohne jegliches Gefühl oder auch nur einen Gedanken preiszugeben sehen sie sich an, nur um sodann wieder voneinander abzulassen.

Es ist das Waschbecken, das weiß sie, nur ist nun noch herauszufinden, wie die Pforte zu öffnen sei.

Doch wieder weisen ihre Finger automatisch den Weg, diesmal zeigen sie nach Südosten, sie begreift, und so beginnt sie umgehend, am Rohr zu schrauben, welches in den Boden führt, es zu lockern, bis sie es abnehmen kann.

Wie sie es dann langsam zu sich zieht, um es zu lösen, geschieht alles auf einmal ganz von allein.

Die Fliesen, die ihnen wie viele kleine einzelne schienen, scheinen nun doch aus einem großen Ganzen zu bestehen, der Boden tut sich auf und ein Weg in die lang gesuchte Welt entsteht.

 

Zum zweiten Male treffen sich ihre Blicke, noch immer ohne Regung, noch kein Wort gesprochen und trotzdem – läuft alles, als sei es abgesprochen und vereinbart, als hätten sie einen Vertrag geschlossen, der besagte, sie müssen diese Erfahrung gemeinsam teilen, ohne Widerworte und Gebaren.

Ihre Blicke richten sich auf das Erdloch, welches da vor ihnen liegt und schon schlüpfen sie ohne Furcht, eine nach der anderen, hindurch, in die Tiefen der Erde, endlich an ihrem Ziel angekommen, so wissen sie.

Nach kurzem Schlittern fassen beider Füße wieder Boden, die eine streicht sich die Haare ohne Frisur zurecht, die andere tupft sich mit einem Stofftaschentuch den Staub von den Wimpern, behutsam, beinahe zärtlich.

Zugleich erblicken sie den hellen Raum, mit etwa einem Dutzend Menschen gefüllt, noch hat keiner die beiden bemerkt, noch unterhalten sie sich weiter angeregt und wägen sich weiterhin unentdeckt.

Alles wirkt nur halbherzig zurechtgemacht. Ein paar Tische, ein paar Stühle, hie und da ein Glas herumstehend, flackernde Lichter die wohl atmosphärisch wirken sollen, jedoch eher das Gegenteil beim Besucher auslösen, als sie zum Zwecke gedacht waren.

Gemächlichen Schrittes laufen sie entgegen der Anwesenden, wissen sie doch wohl, dass sie nicht unentdeckt bleiben werden, ja, dies auch gar nicht beabsichtigen.

Bis zu der Blonden, die sich, posend, nach hinten umdreht, ihre Haare zurückwirft, der Madame in die Augen blickt und – so scheint es – erhaben lächelt.

„Verschwiegen!“ - so spricht die Madame, und die Antwort der Blonden gefällt ihr nicht.

Repost 0
Published by rueckwaerts - in ..rueckwaerts
Kommentiere diesen Post
24. September 2012 1 24 /09 /September /2012 18:02

 


 

 

Ich brauche Zeit.

Gibt mir Sekunden, gib mir Minuten, um darüber nachzusinnen, was zu antworten das Richtige wäre.

Gibt es ein falsch oder richtig? Meines Erachtens nach nicht, und doch…

 

Tat begangen, für schuldig befunden, weiteres Vorgehen fragwürdig.

Gib mir Stunden, Tage, Wochen.. Antwort wird erwartet, doch kann ich keine Antwort geben, unfähig zu entscheiden, nicht über mich und schon gar nicht über uns, also lass es uns einfach dabei belassen.

Nicht mehr darüber reden, es einfach ignorieren, so tun als wäre diese Frage nie in den Raum geworfen worden. Ich nehme mir die Zeit, ich nehme mir oft einfach, was ich will und brauche, und ich frage mich, ob ich DAS brauche und DICH und UNS und ich bin

                                     z w i e g e s p a l t e n.

 

Also knauple ich weiter, obwohl ich mir fest vorgenommen habe, es zu lassen, weil meine Finger dann immer so hässlich, zerschunden und abartig wirken, wie der Abgrund meiner Gedanken.

Sieh meine Finger an, und du weißt, was in mir vorgeht.

Was ich fühle, was ich will.

Ich hätte so gerne schöne Fingernägel, da das elegant wirkt und gepflegt, ich hätte so gerne schöne Fingernägel, da oft auf die Finger geschaut wird.

Doch eine Maniküre zu beanspruchen wäre nur ein Verstecken, ein Überstreichen der alten Fassade.

Also lass ich es einfach.

 

Ich lasse es, vegetiere vor mich hin, todmüde da keine Minute diese Nacht geschlafen, ersuche den Sinn, und denke über das Geschehene nach, unschlüssig was ich davon halten soll.

 

Ich hätte Lust, mir die Finger abzuschneiden, doch dann würde ich leiden denn so könnte ich keine Musik mehr erschaffen, also beschließe ich es zu lassen.

Ein Instrument zu beherrschen bereitet mir einfach zu viel Freude. Finger braucht man da leider.

Abgesehen davon kann man mit Fingern Wunder bewirken. Kann streicheln, zärtlich sein, dir den Kopf graulen, dich fest im Genick oder beim Schopf packen und..

 

Was man mit Fingern alles machen kann ist unglaublich. Ich mag Ärsche, vor allem Männerarsche, ganz besonders deinen.

Doch nur mit den Handflächen fühlt‘s sich dann nicht so gut, also brauche ich meine Finger..

Wie ich dir über die Lippen fuhr, mit dem Daumen, in dieser Nacht und meine Finger Bände sprachen, dich suchten und fanden, dich wollten.

Dein Gesicht ersuchten um dir die Küsse zu geben, welche ich dir nicht geben durfte, wollte und konnte.

 

Habe Angst, etwas zu verpassen, wenn wir den Entschluss fassen, es zu lassen. Sagtest, wir sollten dieses Mal konsequent sein, ob ja oder nein.

Doch wie sollte dies gehen? Denn so wie es bisher geschehen…..

Habe dir meine Entscheidung mitgeteilt, schon vor langer Zeit, habe abgelehnt und mich in diesem Moment entspannt zurückgelehnt, da ich naiv wie ich war, noch annahm- >ich sagte was ich dachte< also lachte ich in Gewissheit, es sei vorbei und geklärt und ab sofort nicht mehr verkehrt.

Verneinte aus Stolz, aus Angst das WIR könnte zerbrechen, die Furcht du könntest mich brechen und das ungesagte Versprechen, meine Gewissheit du würdest damit etwas in mir freisetzen und meine Grenzen austesten.

Der Gedanke ich könnte dir am Ende doch nicht genügen.

Was wenn wir unsere Erwartungen nicht erfüllen, dann nebeneinander liegen wie leere Hüllen, uns nicht ausfüllen und die Stille schweigend anbrüllen.

Zu verlieren das Vergnügen, welches so schön ist wie es JETZT ist und mir so viel gibt.

Weil nicht jede Veränderung im Endeffekt ein Genuss oder gut sein muss. Weil du mir zu wichtig bist und am Ende vielleicht nur alles Illusion ist.

Da du dich in einer Beziehung befindest und ich zumindest nicht die sein mag, die sich dann fragt Tag für Tag ob es an ihr lag.

Und doch – will ich so sehr - mit dir den Geschlechtsverkehr.

 

Sex macht doch oft alles kompliziert.

Und doch, wenn ich bei dir bin, du mich dann fesselst, einfach um zu zeigen, wie man schnürt, wie sollte ich das einfach hinnehmen können?

Wenn du mich zum Abschied auf den Hals küsst, wie sollte ich das einfach hinnehmen können?

Und vor allem - wie sollte ich dich wegstoßen, wo es mich doch so sehr zu dir zieht? Das kann ich einfach nicht.

Wie sollte ich immer auf’s Neue ruhig bleiben, wenn du mir immer wieder sagst, es wird sicherlich passieren, es ist nur eine Frage der Zeit?

 

Es zehrt an mir und frisst mich auf, ich fühle mich als wäre ich nur ein Hauf-en Schutt, wenn ich von dir gehe und mich dann im Spiegel sehe, verblasse –

da in meinem Kopf die Dinge geschehen, die ich nicht mit mir machen lasse, es zieht mich so sehr zu dir.

Würde nur zu gern das Träumen wahr werden lassen.

Und doch – versuche ich mich zu fassen, zurückzukehren zur

                                        V e r n u n f t.

 

Was soll ich wohl weiter sagen, außer „Nein!“, wenn du mir einfach mal so am Straßenrand erklärst, dass wir uns nicht mehr sehen können.

In diesem Moment wurde mir klarer, als je zuvor, dass es verdammt kompliziert werden könnte.

 

Und dann gehst du halt aus meiner Tür raus, ich blick dir nicht nach, schlag die Tür zu und rauch erst mal eine, da ich nicht drauf klarkomme. Es verlangt nach dir, ich schaffte bisher dann höchstens grad noch so kurz davor den Schlussstrich zu ziehen und vor mir selbst zu fliehen.

 

Ich blicke auf meine Finger, nehme ein Messer, ziehe einen 1 Zentimeter langen Schnitt.

Es blutet arg fein, und ich freue mich – nicht.

Keine Alternative zum Knaupeln, und doch, wenigstens blutet es, so wie meine Gedanken mir durch den Kopf rennen, rennt das Blut meinen Finger entlang.

Ein schönes Bild, ein wunderbarer Vergleich. Und doch keine Alternative.

 

Ich hätte Lust, in diesen Spiegel zu schlagen, der mir zeigt, wie du von hinten an mich herantrittst, ich mitnichten abgeneigt, du meine Hüften greifst, daraufhin deine Hände über meinen Körper gleiten, und ich lasse mich verleiten. Werfe meinen Kopf nach hinten auf deine rechte Schulter, schon alleine durch meine Gedanken in völliger Ekstase gefangen.

Mein ganzer Körper bebt vor Verlangen nach dir, und ich gehorche.

Aufs Wort.

 

Aber dann müsste ich mir einen neuen Spiegel kaufen, der mir ja doch nur das gleiche Bild zeigt.

Denn kein Spiegel schweigt.

 

Wenn wir uns für das Nein entscheiden würden, was wäre denn dann? Könnten wir es tatsächlich lassen? Würde das Verlangen wahrhaftig verblassen?

Bisher ging das doch auch nicht, also – was hat dann dieses erneute Nein überhaupt für ein Gewicht, nur weil man es mal wieder erneut ausspricht?

Mit dem Vorhaben, es sei endgültig, definitiv und nicht nur ein primitiv-er Versuch.

Die Entscheidung dagegen muss nicht wahrhaftig die Lösung sein, schließlich existierte sie vorher auch.

Wenn wir sagen, wir lassen es, stellen wir erneut diese Regel auf, hängen einfach das Wort >endgültig< dran,

wollen glauben, aber.. das macht es dann manchmal doch sogar noch reizvoller, denn Regeln zu brechen fasziniert.

Vor allem dann, wenn man sie verschärft.

Und wenn wir sie absprechen dann brechen, ist es nicht noch viel schlimmer, als wenn es zuvor geschehen wäre? Was auch immer - egal ob ja oder nein, ob ich mich wehre und von diesem Verlangen trenne oder aber - mich bekenne - beide Worte bereiten mir gleichermaßen Angst.

Für mich gibt es momentan keinen Weg als einfach zu sagen: Ich bin hin- und hergerissen und doch – werde ich mich wohl entscheiden müssen.

 

Vielleicht sollte ich mir Handschuhe zulegen!

 

 

 

Repost 0
Published by rueckwaerts - in ..rueckwaerts
Kommentiere diesen Post
5. September 2012 3 05 /09 /September /2012 19:35

Grün- blaue Streifen malt die Sonne, als sie durch die Scheiben bricht.

Du zückst schnell den Fotoapparat, postierst dich passend und erschaffst neue Werke, mit dir selbst als Inhalt.

Du bist der Inhalt, anders wäre es auch falsch denkst du dir und lädst das Bild schnell hoch, damit deine Freunde es bewundern können.

Der Moment der Sinnlichkeit und Schönheit bekommt viele „likes“, während dessen löschst du die missratenen Fotos von der Kamera.

Dieses Gebäude hier, dieses alte zerschlissene Gebäude, welches einmal sicher viel Leben enthielt, versprüht einen gewissen Charme – und du bist ganz allein hier drinnen.

Deine Freundin, die laut „cool“ gerufen hatte, als sie von deinem Ausflug hörte, wird demnächst hier eintrudeln, die Frage ist nur, wie schnell sie den versteckten Eingang durchs Gebüsch findet.

Auch sie bringt eine Kamera mit, das weißt du, eine weit aus bessere mit viel mehr Pixeln und so.

Deine Hand streift über den Tisch, der schon tausende Spuren zeigt, die auf seinen früheren Nutzen hinweisen.

Schon einmal warst du hier, genau einmal – mit ihm.

Die weiteren Besuche fand man dich nur zusammengehockt auf dem Berg Schutt, der sich hinter dem Gebäude befand.

Sie hatten schon lange mit den Bauarbeiten begonnen, wollten Loftwohnungen draus machen, und dies machte dich traurig.

Bis heute, heute spürt du etwas anderes, als du aus dem Fenster herab in den Innenhof blickst.

Eine innere Zufrieden- und Gelassenheit macht sich in dir breit und in diesem Moment hörst du hinter dir Schritte.

Du stellst die vor, wie du EURE Spinnereien wahr werden lassen würdest, die Hand um seinen Nacken legst und ihn anstiftest, all jene Gedanken dieses Abends wahrhaftig werden zu lassen.

Du drehst dich um und rufst: „Los geht’s, zück deine Kamera“ – und du lächelst.

Lächelst nicht etwa sie an, wie sie glaubt sondern belächelst dich selbst aufgrund dieser absurden Vorstellungen.

Du träumst immerzu, malst dir Dinge aus, die niemals geschehen würden, so real du sie auch in deinem Kopf ausmalst.

 

Sie schießt ein Foto nach dem anderen, während deine Hände alles berühren, was sie auch an jenem Abend berührt hatten.

Sie steht am Fenster und die Sonne malt grün- blaue Streifen, als sie durch die Scheiben bricht.

Du hörst einen Ruf: „Komm her, hier ist das Licht ganz fabelhaft!“ – und siehst einen Ausdruck auf ihrem Gesicht, der dich deutlich erkennen lässt, dass sie nicht dir zulächelt, sondern einem anderem, irgendwem, nur nicht dir.

 

Sie dreht sich um und blickt aus dem Fenster, während du dich ihr näherst. Stellst dich neben sie und blickst in ihr wunderschönes, zufrieden und gleichzeitig trauriges Gesicht.

Gerne würdest du fragen, was sie denkt, aber sie scheint so weit weg, dass du nur deine Ellenbogen auf den Fenstersims lehnst und es ihr gleichtust.

Nach einer Weile dreht sie sich langsam zu dir, küsst dich auf die Stirn und legt die Kamera vors Gesicht.

Es macht ganz leise zweimal klick, sie betrachtet die Werke, deren Inhalt du bist, und lächelt.

„Fabelhaft“ – befindet sie und lächelt an der Kamera vorbei, an dir vorbei und an der Welt vorbei.

 

 


 

 

Repost 0
Published by rueckwaerts - in ..rueckwaerts
Kommentiere diesen Post
11. August 2012 6 11 /08 /August /2012 23:32

„Jingle Bells, Jingle Bells..“ singt das Mädchen mit dem schlohweißem Haar immer wieder, immer wieder, wiegt dabei den Kopf vor und zurück, reißt die Augen weit auf, um sie sofort wieder zu schließen.

So geht es immer im Wechsel – sie singt, allein diese zwei Wörter, und während sie singt reißt sie die Augen auf.

Eine Kontinuität, die fast rhythmisch wirkt:

Das Wiegen des Kopfes beschreibt den Takt, der mit den Drumsticks geführt wird, das Singen und das Wiegen ist das Duett, welches den Inhalt des Dargestellten schaurig und zugleich fesselnd, unnatürlich schön erscheinen lässt.

 

„Sie ist verrückt“, denkt jeder herkömmliche Mensch, „Sie ist einzigartig“ denken die Einzigartigen.

Und die Herkömmlichen schauen kurz hin, beschämt, laufen dann flux weiter, um ja nicht zu starren.

Doch ich und du – wir setzen uns vor sie, und singen mit.

Sie nimmt ihre Hände, streicht sich damit eine aus der Ordnung geratene Strähne hinters Ohr, sie weiß einfach nicht das Lied zu beenden, sie kennt das Ende nicht.

Der Baumstumpf, auf dem sie sitzt, bewundert diese vielfach in sich selbst verschlungenen Beine, die sich ihm darbieten und aussehen, als seien sie geflochten.

Er hat einen verstümmelten Arm, und weiß daher ganz genau, wie ihr zumute ist – so glaubt er.

 

Sie lässt sich fallen, nach links.

Zuvor noch hat sie ihr Gesicht mit den Händen bedeckt, ihre Fingernägel haben sich im Haaransatz verfangen, sie kommt nicht mehr frei.

Sie ruft dann laut, sie kann sich nicht beherrschen – wie auch denn – Sie wollen sie beherrschen.

Wollen sie ändern und zu etwas machen, was sie nicht sein wird, sein will und auch nie war, was sie GLAUBTE zu sein und doch – ist sie nun erst zu der Erkenntnis gekommen, was wirklich wichtig ist, zumindest für SIE.

„Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute“ ruft sie, schlägt mit dem Kopf auf den Boden, ihr weißes Haar zerbricht die Schatten, wirkt wie – Betrug – obwohl sie das einzig ECHTE hier sind.

 

Ein Märchen hoher Kunst, dich als den Retter zu beschreiben. Hohe Büsche, in Form eines Kerzenleuchters weisen mir den Weg entlang des Pfades, der sich Schicksal nennt.

Am Ende des Weges eine Gestalt, in einen schwarzen Kapuzenmantel gehüllt. Schweigt, sollte mich an der Hand nehmen. Doch als sie Schritte vernimmt, schreit sie kurz auf, reißt sich die Ohren ab und entschwindet ins NICHTS..

Ich strecke die Arme aus, schließe die Augen, laufe nur langsam, lasse die Hände die Blätter der Bäume berühren, welche am Rande einzeln stehen und ihre Kinder mit dem Wind spielen lassen.

Forme die Lippen, schnalze mit der Zunge und schmecke – Erdbeere!

 

Du magst Lilien, doch kannst ihren Geruch nicht leiden!

 

Und ich denke wieder einmal an ihre schlohweißen Haare und die Menge, die sich nach einiger Zeit um sie herum versammelt hat.

SIE ist verstummt – doch die Meute singt.

 

 


 

 

Repost 0
Published by rueckwaerts - in ..rueckwaerts
Kommentiere diesen Post
5. August 2012 7 05 /08 /August /2012 18:18

 

Du möchtest nicht auf dem Boden sitzen? Du bist dir zu fein dazu?

Du kannst kaum mehr stehen, dir ist schon schwindlig und schlecht aber dich hinsetzen - auf den Boden - nein! soetwas tust du nicht!

 

  Du hättest Lust, zu summen. Du hättest Lust, mitzusummen, denn das Lied ist so schön.

  Das jedoch, das wäre unnormal, das wäre komisch, anders. Man würde dich anguggen, beachten.

  Man würde dir Blicke zuwerfen. Dir pocht schon das Blut in den Ohren dank diesem

  wunderbaren Lied, dein Herz verkrampft, da es diese Schönheit nicht verkraftet.

  Du kriegst keine Luft mehr, so schön ist es doch - du singst NICHT!

  Du bist dir zu fein dazu, deinen Gefühlen freien Lauf zu lassen...

 

    Du hast Mitleid. Mit dem Bettler, der dich doch nur nach einem Groschen fragt. 

    Du hast Mitleid, fragst dich ob dir jemand helfen würde, würdest du abrutschen.

    Willst ihn schon fragen, wie es dazu gekommen ist. Siehst die Blicke der Anderen.

    Abwertend, verachtend. Und du schämst dich deiner Gedanken. Deiner Fragen.

    Deines Mitleids.

    Und dann kommst du ihm näher.. Denn du musst an ihm vorbei. Er sieht dich flehend an.

    Du riechst, dass er Bier getrunken hat. Und wahrscheinich mehr als eines. Und dein Blick -

    verändert sich. Er gleicht sich den Blicken deiner Vorgänger an, gleicht denen, die du

    vorher betrachtet. Du bist dir zu fein, du verachtest.

    Selbst Schuld, immer diese ekligen Säufer, die keinen Bock haben arbeiten zu gehen..

    Nein, soetwas könnte dir NIE passieren!

    Du gehst vorbei.

    Natürlich bekommt er KEINEN Groschen von dir!

 

        ...wie kann man nur SO seinen Einkaufswagen füllen, voll mit ungesunden Sachen?

        Wie kann man nur SO leben? SO verantwortungslos, die ist doch eh schon so fett,

        und du greifst dir deine Zigarettenschachtel, wegen der du zu Rewe gegangen bist...

 

 

                Immer dieses Extrem-Sein, völlig die verkehrte Einstellung! Wie kann man denn nur so

                extrem denken, so extrem handeln! Und dann immer die anderen bekehren wollen,

                so sind sie alle!

                Intollerant!

                Unakzeptabel!

                So sind sie ALLE! Ich meine wir regen uns doch auch nicht über die auf, also sollen sie uns

                auch in Ruhe lassen..

                Überhaupt, was kann man denn dann ÜBERHAUPT noch essen, die sind doch alle

                unterernährt und haben Mangelesrcheinungen!

                ICH könnte nicht so leben, das will ich auch gar nicht! Also sollen die uns ALLE mal

                in Ruhe lassen.

                Aber ich muss jetzt doch mal fragen, was man denn da überhaupt noch essen kann!  

                Beschäftigen muss ich mich aber damit nicht, denn gesund kann das ja eh nicht sein!

                Immer diee Vegetarier, aber die gehen ja noch-

                die Veganer sind die Extremen, die sind die, die allen immer Ihre Lebensweise

                aufdrängen wollen, ALLE!

 

                                Und die Katholiken sind sowieso die schlimmsten!

                                Ohne Ausnahme!

 

                                                Obwohl. Das stimmt nicht.

                                                Noch schlimmer sind die Türken!

                                                Die wollen sich alle nicht anpassen, die gehören hier nicht hin.

                                                Die müsste man wieder zurückschicken alle, die leben doch nur

                                                auf die Kosten anderer, UNS rechtschaffende Bürger!

                                                Also, ich bin ja wirklich tolerant und aufgeschlossen.

                                                Rasistisch bin ich nicht, Vorurteile hab ich auch nicht,

                                                ABER ich mein  die Türken sind wirklich schlimm, gibt ja schon

                                               ganze Türkenviertel hier  in Deutschland...

                                                Die akzeptieren uns und unsere Lebensweise nicht,

                                                die sprechen sogar türkisch! Hier hat man deutsch zu sprechen!

                                                Die sind so untolerant!

 

                                                                                              Und diese Rechten, die zünden 

                                                                                              immer Papierkörbe an und 

                                                                                              werfen Steine! 

                                                                                              Also denken können die ja was sie

                                                                                              wollen, ich versteh ja dass es die 

                                                                                              ankotzt, dass hier nirgends mehr  

                                                                                              DEUTSCH 

                                                                                              gesprochen wird, aber hier von 

                                                                                              wegen Hitler und so, DAS geht gar 

                                                                                              nicht, die wissen doch gar 

                                                                                              nicht wovon die reden und  

                                                                                              wie schlimm das war, und DANN 

                                                                                              noch Scheiben einschlagen und

                                                                                              Papierkörbe anzünden....

 

 

                                                                Zum Glück gibt es ja dich!

                                                                               Du bist tolerant....

                                                                                                Und offen.

 

                                                                                                                  Wenigstens gibt es

                                                                                                                   Menschen

                                                                                                                   wie dich!

 


 

 

Repost 0
Published by rueckwaerts - in ..rueckwaerts
Kommentiere diesen Post
1. August 2012 3 01 /08 /August /2012 12:24

 


 

 

Ich fahre in der Bahn am Lokal vorbei und sehe ihn dort stehen, in ein weißes T-Shirt gekleidet und denke kurz an die Zeit, als wir zusammen waren.

Ich empfinde keinen Groll.

 

"Ich komme zu dir! Ich komme dich besuchen" rief ich unzufrieden und kletterte in luftige Höhen, um dir nahezukommen.

 

Als ich dich nach so vielen Jahren wiedersah, überkam mich ein leichter Schauer.

Freude und Aufregung - Genuss und Erschrecken in einem. Eine Begrüßung war auch noch drin und kurzes Geplauder, wobei ich aber so viel Stuss redete, wie ich es immer tu, wenn ich aufgeregt bin.

 

Sie hatte wunderschönes, schwarzes lockiges Haar, welches ihr unglaublich gut schmeichelte und ein entzückendes Lächeln schon in jungen Jahren..

Das Lächeln eines Kindes und zugleich einer erwachsenen Frau, die schon viel vom Leben erfahren hat..

 

Als ich so halb neben ihm, halb auf ihm lag, sagte ich:

"Ich liebe dich!" und ich sollte mich den Rest meines Lebens fragen, ob ich diese Worte tatsächlich aussprach oder wie schon 3000 Mal zuvor - nur intensivst dachte!

Und wenn ich es aussprach - wie laut dann? Für seine Ohren schon hörbar?

War es nur ein Formen der Lippen? Ich glaube letzteres.

Sicher jedoch bin ich mir nicht.

 

Unkenntlichkeit!

Haare zusammengesteckt, schwarz eingekleidet, eine Sonnenbrille und Lippenstift.

Ein gänzlich unbekanntes Parfüm, welches nicht zu mir gehört.

Andere Mimik und Gestik angewöhnt, zumindest wenn ich in der Öffentlichkeit bin und einen Hut, tief in die Stirn gezogen.

Neue Ohrringe machen das Bild komplett.

Hatte viele Jahre die Gleichen und nur das eine Paar, kaufte sie immer wieder neu wenn einer verschwand, trage sie auch heute noch. Daheim oder bei Besuchen bei Menschen, die ich mag.

Draussen jedoch - die Neuen.
Dazu noch Stöpsel im Ohr, sollte man mich doch erkennen und rufen, kann ich bei Bedarf so tun, als hörte ich es nicht.

Die nehme ich dann nur raus, wenn unbedingt erforderlich! Wenn mich dann doch mal einer erwischt, und zwar so, dass jeder Fluchtversuch absolut unangebracht oder zu offensichtlich wäre.

Nach der Frage wie es geht, erfolgt immer die gleiche Antwort: "Gut!", denn die Leute erwarten es, haben sie doch meistens nicht wirklich Lust, sich über tiefgründige Dinge zu unterhalten. Das macht das Leben nur schwerer und lässt die Menschen hinterfragen. Das wollen sie aber nicht.
Also geht es mir zu jedem Zeitpunkt gut!

 

"Schöööne Frau!" ruft mir der dicke, alte, geile Obstverkäufer vom Straßenrand, wo er seinen Obststand bewacht aus zu, der nur auf mein Dekolleté starrt und eigentlich mehr meinen Busen meint als mich im Gesamten!

Zum Glück habe ich wie immer meine Stöpsel im Ohr und kann so einfach weiterlaufen.

Nein, ich will KEINE Melonen oder Äpfel kaufen!

 

"Ja, setzt euch Kinder!" ruft die Kindergärtnerin ihrer Schar zu, die soeben in mein Bahnabteil zugestiegen sind, und die hintere Hälfte für sich einnehmen.

"Hauptsache, die Kinder sitzten!!!", schimpft ein alter Mann zu seinem vermutlich genauso altem Begleiter speichelspuckend und regt sich noch die nächsten 3 Haltestellen auf, obwohl er im vorderen Teil des Wagens, der so gut wie leer ist, mir gegenüber samt Begleiter Platz gefunden hat

 

 


 

 

 

Repost 0
Published by rueckwaerts - in ..rueckwaerts
Kommentiere diesen Post
25. Juli 2012 3 25 /07 /Juli /2012 21:20

Viereinhalb Stunden Zugfahrt.

 

Der Kopf?

Viele Fragen

 

Gefühle?

Verloren. Hilflos.

 

Gespräche lenken mich zeitweise ab, jedoch nicht wirklich. Gespräche können mich schon lange nicht mehr vom Nachdenken nebenbei und zwischendurch abhalten.

 

Eine Stunde und vierzig Minuten Aufenthaltszeit.

 

Ich laufe durch den Bahnhof, da ich die Zeit ja irgendwie rumkriegen muss, entdecke aber absolut nichts Reizvolles außer einem kleinen Souvenir für meine Tante.

Gibt nur eins an der Zahl, also kann ich den anderen leider keins mitbringen.

 

Eigentlich will ich mir dort ein Eis kaufen, stelle mich auch an aber hinter und vor mir sind rumprollende Kerle, ein paar Jahre jünger als ich, die meinen sich in den Mittelpunkt stellen zu müssen durch ungehobeltes Verhalten, Rufen und Lauten, die nur entfernt einer zivilisierten Sprache ähneln.
Das geht mir irgendwann so dermaßen auf die Nerven (zumal ich eh schon kaum mehr welche habe), dass ich nach ein paar Minuten den Rückweg antrete, da die Frau an der Theke zudem schon eine Ewigkeit einen Kunden bedient. Und vor mit stehen da noch 4.

Diese Affenähnlichen Gestalten mal ausgenommen.

In diesem Moment hätte ich gerne eine Bratpfanne gehabt, um denen mal Benehmen einzuhämmern, da ich aber  eben keine habe, entschließe ich mich, mich schon zu meinem Steig zu schleifen, damit ich da meine Ruhe hab.

 

Da kommt ein alter Mann, begleitet von einem Bahnmitarbeiter, der ihm die Koffer schiebt, da der Alte so gebrechlich ist und kaum mehr laufen kann.

Er setzt sich neben mich, ungeduldig wartend auf den Zug.

Später erfahre ich, dass er den gleichen Zug und das gleiche Ziel hat wie ich.

Er schenkt mir zwei Duplo, der alte Mann, da ich ihm behilflich bin und er sehr dankbar dafür ist.

Möchte mich in ein Gespräch verwickeln, was ich normalerweise auch zulasse, einfach da solch Menschen leider oft einsam sind und sich über Gesellschaft freuen (so auch bei ihm, das merke ich). Ich habe aber den Kopf nicht dafür.

Wenn der Kopf voll ist, kann ich nicht zuhören.

Dann rauschen meine Ohren. Meine Hände zittern und mir ist abartig schlecht.

Wasser, Kaffe und selbst eine Zigarette helfen da auch nicht, am Ende meiner Kräfte und am Ende meiner Auffassungsfähigkeit wippe ich nur so vor mich hin und gebe ihm zum Beispiel durch Nicken wenigstens das Gefühl, ich wäre gedanklich mit und bei ihm.

Wenigstens das. Mehr kann ich nicht tun.

 

Zwei Plätze weiter sitzt ein Papa mit seinem Kinde, es ist vielleicht zwei Jahre alt und wirkt unsagbar lebhaft.

Diese Lebhaftigkeit habe ich schon lange nicht mehr gespürt, da ich eben seit vielen Wochen fast immer kraftlos bin, also ergötze ich mich an der Lebensfreude und der Aktivität des Kindes, welches da auf dem Sitz rumspringt, Faxen macht, Züge die einfahren begeistert beobachtet und mich abwechseln fragend und lachend anschaut.

Der Papa findet sein ulkendes Kind auch ganz großartig, und lässt den Schabernack geschehen.

 

Kraftlos tippe ich dann noch einige Nachrichten in mein Telefon, die ich auf den Weg in die Heimatstadt schicke, wo ich mich erst in ca. fünf Stunden befinden werde.

 

Eine Stunde und vierzig Minuten Aufenthaltszeit.

 

Gespräche lenken mich zeitweise ab, jedoch nicht wirklich. Gespräche können mich schon lange nicht mehr vom Nachdenken nebenbei und zwischendurch abhalten.

Beobachten lenkt besser ab!

 

Und weiter geht die Reise..

 

 


 


 

Repost 0
Published by rueckwaerts - in ..rueckwaerts
Kommentiere diesen Post
4. Juli 2012 3 04 /07 /Juli /2012 22:16

Sie.

 

So wundervoll.
Wundervoll kraftvoll. Loyal. Elegant galant.

Gutmensch? Was ist Gutmensch? Definition?

Nimm sie.

 

Traurig und verletzlich, manchmal so gebrechlich. Und dann holt sie eine Kraft, woher hat sie mir nie verraten, doch weiterzumachen, nicht zu rasten, nicht zu verharren an diesem Punkt.

Schüchtern würd‘ ich so nicht sagen, kannst sie auch auf leerem Magen.

Kannst sie immer, kannst sie wieder. Kriegst sie auch durch Schweigen nicht zum Schweigen, nur dann wenn der Zeitpunkt korrekt ist und nur das Schweigen die Wahrheit spricht!

 

In manchen Momenten wollt ich sie fangen, ihr, unser Glück festhalten.

Schnappschuss!?

 

Begriff nicht, dass das gar nicht unbedingt notwendig sei.

 

Gekämpft, gelacht, bekämpft – gemeinsam!

 

Habe nie gefragt, ob sie viel träumt. Denn ich träume jeden Tag, jede Stunde. Und immer vorm Einschlafen.

Doch sie träumt gewiss, denke ich mir, hat sie doch oftmals diesen bestimmten verträumten Blick, den nur Menschen haben, die noch kleine Wunder sehen und fähig sind, kleine Details zu verstehen.

 

So mancher, der sie nicht kennt, sagt vielleicht auf dem ersten Blick, sie sei oberflächlich.

Doch kehrt sie nur, wenn sie sich die Zeit für sich nimmt, ihre innere Schönheit nach außen.

Und wer gelernt hat, genau hinzusehen, erkennt leicht, dass ihr abgestimmtes Outfit eigentlich genau das darstellt, was sie auch wirklich ist – ein wundervoller, bezaubernder Mensch.

Mit kleinen Fehlern, die leicht zu verzeihen und zu vergessen sind.

 

Du hast eine Zeitlang mit dir gekämpft, um dich selbst, hattest in deinen Augen kaum Antrieb mehr, bist umhergeirrt.
Doch gib nicht auf, denn du bist einer der tatsächlich besonderen Menschen!

Nimm dir Zeit, um zu dir zu finden wenn du glaubst, auf der Suche nach dir selbst zu sein.

Doch, Liebe, verharre nicht in dieser!

Denn deine Zeit ist zu wertvoll, du bist dafür zu wertvoll. Auf der Suche nach sich selbst droht man nach langer Dauer, sich immer mehr zu verlieren.

Die Irrwege des Lebens kannst du entfitzen, wenn du dir selbst treu bleibst.
Denn das, was du bist, ist mehr als gut.

 

Ein rotes Fahrrad, Klamotten, Flohmarkt, Ausstrahlung, Wut, Musik durch dich kennengelernt früher schon, saurer Apfel, ein Schuh, ein Apfelbaum, Mosaik, basteln, Park, Telefonate ewig, Verrücktheiten, Taschentuchreihe meterlang auf der Straße, in den Blätterhaufen werfen immer wieder, Nacktschnecken, Schnur an der Türklinke, ein kaputter Wecker, auf dem Fahrrad zu zweit der Polizei trotzend, aufwachen nebeneinander schreiend, ein BH mit Totenköpfen, viel Lippenstift, ein kaputtes Hochbett..

All dies sind  Worte und Erinnerungen, an manche kannst du dich bestimmt teilweise nicht mehr erinnern.
All das und viel mehr verbinde ich mit dir.

Fragen in deinen Augen.

Große, schöne Augen, die sogar leuchten, wenn es dir einmal nicht so gut geht, sie leuchten sogar, wenn du mal Tränen vergießt.
Das weißt du wahrscheinlich nicht, deshalb möchte ich es dir sagen.

 

Wir haben einmal Krieg geführt, du und ich.

Wussten wir doch damals als wir klein waren noch nicht, dass dies alles nur Proben unserer Freundschaft sind.

Wussten wir doch nicht, dass all das nur Kleinigkeiten sind im Gegensatz zu dem, was wir einmal haben werden.

 

Ich habe dich.

Du hast mich.

Und es scheint, als sei dies für die Ewigkeit gedacht.

 

Zwischendurch gibt es immer mal Zeiten, wo jeder sein Leben lebt und keiner die Zeit und Kraft hat, bei dem anderen zu sein. Erstaunlich ist nur, dass es dann immer so ist, als hätte diese Zeit nur ein paar wenige Stunden betragen.

 

Was ist Freundschaft?

Was ist Treue?

Nimm Sie!

Wundervoll.

Wundervoll kraftvoll. Loyal. Elegant galant

 

Und ich sage dir: Lass den Kopf nicht hängen, denn es werden da immer bessere Zeiten kommen, es wird da immer irgendwo ein Lichtlein brennen, und wenn du dieses Licht nicht finden magst oder dir unsicher bist, ob es nicht ein Irrlicht ist, so komm zu mir und ich werde da sein und versuchen zu helfen, auf den richtigen Weg zurückzufinden!

 

DSC00122bea.jpg

 

Repost 0
Published by rueckwaerts - in ..rueckwaerts
Kommentiere diesen Post

Was Isn Das Hier?

  • : Blog von rueckwaerts
  • Blog von rueckwaerts
  • : Was erzählt uns die Welt? Warum schweigt sie so oft, wenn wir selber schreien. Vorwaerts? Rueckwaerts? Wie geht man mit einer Krankheit um, die einen in vielen Situationen beeinträchtigt und oft zurückwirft? Meine Philosophie vom Leben. Kritik, Fragestellungen. Erzählungen. Gedichte..
  • Kontakt

Im Detail liegt das Wunder..

 


Suchen

Neueste Infos

So ihr Lieben (: 

 

 

 

 

Ab sofort könnt ihr euch die meisten Artikel in den Kapiteln

"Akanthamöben..und das Auge macht Krawall!-Verlauf"

und "Akanthamöben..und das Auge macht Krawall!-Gedanken" anhören!

Hierzu müsst ihr nur das zum Artikel gleichnamige Video anklicken,

welches sich je unter oder über dem Text befindet.

Die noch fehlenden Artikel werden auch bald vertont, bitte um etwas Geduld ;) Frisst doch alles recht viel Zeit, weshalb ich nicht immer sofort dazu komme, das Geschriebene auch in auditiver Form bereitzustellen.

 

 


Zudem: Wenn ihr auf einer Seite landet, auf der Musik losspielt und

diese aber nicht euer Fall ist, einfach runterscrollen. Der Player befindet

sich dann in einem meiner Artikel.

Da ich alles recht schlicht halte, ist er auch auf Anhieb zu erkennen ;)

Ein so kleines Kästchen, wo ihr einfach auf Pause klickt.

 

 

Ich wünsche euch viel Spaß.

 

 


DSC00051.JPG